Hey Google, wie kommt man nach Schweinepudding?

Saudumme Frage, oder? Aber Google lädt mich dazu ein, genau diese Frage zu stellen. Tippe ich nämlich in die Textsuche »Schweinepudding« ein, sortiert Google das Hauptmenü so um, dass »Maps« die nächstbeste Wahl ist.

Wegweiser nach Schweinepudding.
So kommt man nach Schweinepudding. (Künstlerlische Interpretation)

Wenn ich auf Google nach Bildern zu irgendetwas suche, ist das seit Ewigkeiten der gleiche Prozess. Erst gebe ich meinen Suchbegriff in die Standardsuche ein und bestätige. Dann lande ich erst einmal in der klassischen Websuche mit ihren Textergebnissen. Hier klicke ich oben auf den zweiten Menüpunkt »Bilder« und bin an meinem Ziel.

Aber schon seit einiger Zeit passiert es immer wieder, dass ich hier in die Irre geführt werde. Plötzlich finde ich mich in einem Stadtplan wieder. Erst im Nachhinein finde ich dann heraus, dass der zweite Menüpunkt nicht mehr »Bilder«, sondern »Maps« heißt. Das Menü wurde einfach umsortiert, aber nicht etwa dauerhaft und nachvollziehbar, sondern ganz flexibel je nach Suchbegriff, Tageszeit und Farbe meiner Unterhose.

Googles Neunfaltigkeit der Suchkategorien

Für die meisten klingt es wahrscheinlich überraschend, weil man es nie voll nutzt, aber Google bietet in Summe ganze neun verschiedene Suchkategorien an, zwischen denen man wechseln kann. Diese sind:

  1. Alle
  2. Bilder
  3. Maps
  4. Videos
  5. News
  6. Shopping
  7. Bücher
  8. Flüge
  9. Finanzen

In dieser Form dürfte das auch die Standard-Reihenfolge sein, denn so sind die Punkte gelistet, wenn man nur nach einem einzelnen Buchstaben oder einer einzelnen Ziffer sucht. Schon diese Ordnung basiert sicher mehr auf irgendwelchen Nutzeranalysen als auf rein logischer Gruppierung. Andernfalls wären Bilder und Videos – letztere unter wortgewandten und altertümlichen Menschen auch bekannt als »Bewegtbilder« – nicht durch den Medienbruch namens »Maps« voneinander getrennt. Wahrscheinlich haben Videos einen geringeren Stellenwert als Karten, weil die meisten Nutzer gleich auf YouTube statt auf Google danach suchen.

Von den restlichen Kategorien wissen sicher nur die wenigsten Google-Besucher, dass sie überhaupt existieren. Wahrscheinlich wird auch deshalb der größte Teil davon unter einem Link mit der Bezeichnung »Mehr« versteckt, selbst wenn mehr als genug Platz wäre, um alle sofort anzuzeigen.

Kopfbereich der Google-Suche mit ausgeklappten Kategorien.
Exotische Menüpunkte verstecken sich unter »Mehr«. Vermutlich leiden sie unter Agoraphobie und trauen sich deshalb nicht auf die große, graue Fläche außerhalb ihrer vertrauten vier Pixelwände.

Je nach Suchabfrage kann sich die Reihenfolge aber eklatant ändern, wie ich vor allem dann bemerke, wenn ich aus Gewohnheit auf den zweiten Link klicke und dann auf »Maps« statt bei den Bildern lande. Herauszufinden, nach welcher Logik diese Sortierung funktioniert, ist aber Detektivarbeit.

Wann drängelt sich »Maps« vor?

Jetzt klingt es im ersten Moment sicher naheliegend, dass die Kartenanzeige vorgereiht wird, wenn man nach einem bestimmten Ort sucht. So würde das ja durchaus sinnvoll klingen. Und bis zu einem gewissen Grad funktioniert das auch so.

Suche ich etwa nach »Knödelhüttenstraße«, heißt der zweite Menüpunkt nicht »Bilder«, sondern »Maps«. Da es diese Straße wirklich gibt, wird mir aber ohnehin gleich in den Standardsuchergebnissen der entsprechende Plan eingeblendet, der mich mit einem Klick ebenso zu Google Maps führt. Die Umsortierung im Hauptmenü ist also überflüssig.

Google-Suche nach Knödelhüttenstraße.
Eine Suche nach der Knödelhüttenstraße liefert mir sofort eine Karte, die mich mit einem Klick zu Google Maps führt. Im Hauptmenü wird Maps aber auch auf den zweiten Platz vorgereiht. Einst führten alle Wege nach Rom, heute führen sie alle zu Googles Kartendienst.

Suche ich stattdessen nach der nicht existierenden Gulaschbarackenstraße, bekomme ich keinerlei Suchergebnisse. Das Menü wird aber trotzdem dahingehend umsortiert, dass ich zu Google Maps geschickt werde. Sinnloserweise – denn dort wird diese Straße natürlich auch nicht gefunden.

Jetzt könnte man meinen, dass Google hier immer noch ganz gut mitdenkt. Immerhin endet der Suchbegriff auf »Straße«. Da ist es nur naheliegend, mir eine Karte anzubieten. In Wahrheit dürfte das allerdings keine Rolle spielen. Ändere ich den vorletzten Buchstaben, sodass aus der »Straße« eine »Strafe« wird, bleibt die Sortierung trotzdem in der gleichen Form erhalten.

Google dürfte auch generell immer dann »Maps« vorreihen, wenn der Suchausdruck keinerlei Ergebnisse bringt. Fantasiebegriffe wie »Purstimental« und »Kantrophilis« bringen das gleiche Ergebnis.

Wahrscheinlich denkt sich Google da sinngemäß: »Wenn wir den Kram nicht kennen, kann’s nur irgendein regionaler Blödsinn sein, den neben dir nur drei andere Hinterwäldler kennen. Such’ gefälligst selbst danach!« Vielleicht ist der Stadtplan auch ein dezenter Hinweis darauf, dass Google mich aufgrund meiner Unsinnssuche für krank hält, denn im Zentrum des Plans wird nicht etwa mein tatsächlicher Wiener Wohnort angezeigt, sondern ein Krankenhaus.

Offensichtlich geographische Angaben oder die Nichtexistenz eines Begriffes sind aber längst nicht alles, was einen zur Kartensuche lotst. Die Umsortierung findet auch bei vielen Begriffen statt, die durchaus Suchergebnisse liefern, zum Beispiel bei »Schweinepudding« oder »Kamerasmartphone« … und ironischerweise auch bei dem Suchwort »Menüsortierung«.

Google-Suche nach Gfrastsackl.
Die Suche nach einem liebreizenden Dialektausdruck schlägt mir auch vor, auf Google Maps nachzusehen.
Google-Maps-Suche mit der Meldung: Gfrastsackl nicht in Maps gefunden.
Warum mir Google Maps vorgeschlagen wurde, weiß Google offensichtlich selbst nicht. Bilder, Videos und sogar Shopping-Angebote gäbe es zu dem Suchbegriff wenigstens …

Buchen Sie noch heute einen Flug zu Ihren Nachbarn!

Jetzt habe ich geschrieben, dass »Maps« im nachvollziehbarsten Fall vorgereiht wird, wenn man nach einem Ort sucht. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Es trifft nur dann zu, wenn ich nach einer Straße suche. Tippe ich stattdessen wirklich einen Ortsnamen ein, steht nicht der Kartendienst an zweiter Stelle, sondern »Flüge«. Und das auch dann, wenn ich nach Gramatneusiedl suche, einer niederösterreichischen Marktgemeinde, die näher am Wiener Flughafen liegt als meine Wiener Wohnung.

Google-Suche nach Kuhdorf. Zweiter Menüpunkt: Flüge.
Google bietet scheinbar Flüge in jedes Kuhdorf an.

Zumindest bei den Flügen dürfte Google da sehr konsequent sein. Es ist offenbar komplett egal, welchen Ort ich suche – Berlin, Dschibuti, der berühmt-berüchtigte Ort namens Fucking oder sogar Wien selbst – an zweiter Stelle will man mich immer zur Flugbuchung animieren. Und Google kann sich nicht einmal darauf ausreden, meinen Standort nicht zu kennen. Der wird mir nämlich am Seitenende direkt angezeigt.

Standort-Angabe am Ende der Google-Suche.
Google weiß definitv noch ganz andere Dinge über mich, aber meinen Standort zeigt man mir sogar an.

Andere Menüpunkte halten sich zurück

Die restlichen Menüpunkte sind mir bisher nicht so negativ aufgefallen. Wenn sie umsortiert werden, findet das entweder nur auf den hinteren Plätzen statt, wo es kaum einen interessiert, oder es ist zumindest nachvollziehbar. Suche ich etwa nach »Trump«, steht »News« an zweiter Stelle, bei »Smartphone kaufen« ist es »Shopping«.

Suche nach Tetrahydrocannabinol. Zweiter Menüpunkt: News.
Google erkennt ein Politikum offensichtlich auch dann, wenn es (pseudo-)intellektuell umschrieben ist. Fürwahr formidable algorithmische Interpretationsperformance!

Ja, zu skurrilen Fällen kann es auch hier kommen. Suche ich etwa nach dem Satz »Täglich werden Kinder von uns mit Messer getötet« (Original-Zitat eines deutschen AfD-Politikers), wird »Shopping« um eine Stelle vorgereiht, wo einem an oberster Stelle ein »Kinderschnitzmesser« empfohlen wird. Das ist makaber, aber technisch nachvollziehbar.

An zweiter Stelle im Menü stehen bei der Suche nach diesem Zitat Videos, in denen es diverse Berichte zu Messerattacken zu sehen gibt. Das ist grundsätzlich auch nachvollziehbar, aber irgendwie irritierend, weil ich das sonst mit keiner Suchanfrage bewusst geschafft habe ohne explizit etwas wie »Film« oder »Video« im Suchbegriff anzugeben. Nicht einmal bei der Suche nach bekannten YouTubern wird der Menüpunkt »Videos« vorgereiht. Wenn YouTube und Google nicht zum selben Konzern gehören würden, könnte man glatt meinen, dass Google irgendetwas gegen YouTube hat …

Andere Zeiten, andere Sitten

Wenn Du jetzt nebenbei ein paar dieser Suchbegriffe selbst ausprobiert hast und Dir denkst »Was schreibt der Spinner da für einen Humbug? Das stimmt doch gar nicht«, dann hast Du aus Deiner Perspektive vielleicht sogar recht. Zumindest eines haben künstliche Intelligenz und künstliche Dummheit nämlich mit ihren menschlichen Äquivalenten gemeinsam: Sie verändern sich ständig.

Allein während ich mit dem Erstellen dieses Artikels beschäftigt war, wurden manche Ergebnisse wieder umsortiert. Wenn ich nicht meine Screenshots hätte, würde ich mich wahrscheinlich mittlerweile selbst fragen, was ich Spinner da für einen Humbug geschrieben habe.

Google-Suche nach Gfrastsackl. Zweiter Menüpunkt: Bilder.
Nur wenige Tage später will mich mein liebreizender Dialektausdruck nicht mehr in den Kartendienst lotsen.

Weniger KI ist manchmal mehr

Als Fazit kann ich nur sagen, dass gerade bei künstlicher Intelligenz weniger oft mehr ist. Bei so einer populären Website steckt garantiert ein immenser Aufwand in der Umsetzung so einer Umsortierungsfunktion und trotzdem habe ich den Eindruck, dass sie mehr nervt als nützt.

Eine intelligente Sortierung kann in vielen Anwendungsfällen sinnvoll sein – Googles Ausgabe der Suchergebnisse ist dafür ein Paradebeispiel. Der wesentliche Unterschied liegt aber darin, wie oft man eine entsprechend sortierte Auflistung zu Gesicht bekommt. Dass ich bei Google täglich nach dem selben Begriff suche, ist unwahrscheinlich und daher stört es mich auch nicht, wenn die Ergebnisse ständig umsortiert werden. Das Menü ist aber immer da und regelmäßig nach Bildern, Videos oder sonst etwas zu suchen ist etwas Selbstverständliches.

Wenn häufig genutzte Funktionen vertauscht werden – und das zum Teil auch noch ohne ersichtlichen Grund –, dann sind Fehler vorprogrammiert. Wenn das Menü dann auch noch bei jeder Gelegenheit neu gemischt wird, hat das schon mehr von einem Kartenspiel als von einem Bedienelement. Zum Glück baut Google eine Suchmaschine und keinen Sternenkreuzer, sonst müsste man immer zwei Mal hinsehen, ob der Schalter, den man gerade drücken will, das Licht oder die Selbstzerstörung aktiviert.

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