Warum Englisch nicht als Weltsprache taugt

Mann und Frau von Welt sprechen heutzutage Englisch. Ist ja auch so viel einfacher, schöner, freundlicher und obendrein geschlechtsneutraler als Deutsch. Oder etwa doch nicht?

Flagge der USA mit einer Abbildung der Erde statt der Sterne
So weit sind wir in der Realität zum Glück noch nicht, aber in der Zeichentrickserie »Futurama« haben die USA der Welt letztendlich weit mehr als nur ihre Sprache aufs Auge gedrückt. (Bildquelle: Futurama Staffel 4, Episode5: »A Taste of Freedom«)

Wer die Welt beherrscht, beherrscht auch die Sprache. Als in Europa noch die Griechen an den antiken Schalthebeln saßen, prägten sie für alle, die nicht Altgriechisch sprachen, einen eigenen Begriff: Barbaren. Auf die Griechen folgten die Römer, die mit ihrem Latein selbst nach dem Zerbröseln ihres Imperiums noch lange nicht am Ende waren und heute haben wir die Supermacht USA mit ihrem Englisch im Nacken. Trotz der Änderung gilt damals wie heute: Wer die vorherrschende Weltsprache nicht beherrscht, gilt als Barbar.

Jetzt ist es ja gut und richtig, sich für den länderübergreifenden Austausch auf eine gemeinsame Sprache zu einigen. Man möchte ja schließlich nicht auf einen Dolmetscher angewiesen sein, wenn man nur nach dem Weg zum nächsten Klo fragen will. Ob Englisch wirklich eine »Einigung« ist oder doch nur die Antwort auf die Frage, wer den größten Atomknopf am Schreibtisch hat, lasse ich mal dahingestellt.

Jetzt kommen mir aber auch immer wieder Versuche unter, das Vorherrschen des Englischen mit einer allgemeinen sprachlichen Überlegenheit gegenüber dem Deutschen zu begründen. Einige dieser Argumente greife ich hier auf. Und wie der Titel schon vorwegnimmt: Falls es wirklich diese Argumente sein sollten, die Englisch als Weltsprache qualifizieren, dann erklärt dieser Artikel, warum Englisch NICHT als Weltsprache taugt.

Sprachen sind per se nicht witzig oder witzlos.

In einer Diskussion hatte ich tatsächlich einmal das Pseudo-Argument gelesen, Deutsch sei »witzlos«. Das kann man natürlich kaum sachlich entkräften, weil es vollkommen subjektiv ist. Aber ich denke, das ist ähnlich wie beim Eislaufen: Solange man gemeinsam mit Freunden ständig auf den Hintern fällt, ist es ganz lustig. Wenn man dann aber ernsthaft versucht, zu den Profisportlern aufzuschließen, wird es zu ernster Arbeit und damit vergleichsweise witzlos.

Bei Fremdsprachen ist das ganz ähnlich. Als mir jemand ein paar erste lateinische Wörter beibrachte, war das noch ganz toll. »Fenestra« heißt »Fenster«? Ja, das ist leicht zu merken! Ich weiß es nach zwanzig Jahren immer noch. Dabei hatte ich das Wort nie zu mehr gebraucht als damit eine Spinne am Wohnzimmerfenster zu benennen. Als ich dann aber Vokabelhefte, Deklinationen und Konjugationen auswendig lernen und auf jahrtausendalte Texte von Ovid und Plinius anwenden musste, war Latein plötzlich nicht mehr so lustig.

In Englisch ist den meisten Menschen bloß nicht bewusst, wie schlecht sie eigentlich sind. Wenn es für die meisten Kommunikationspartner nur eine Zweitsprache ist, hat man ja auch gar nicht den gleichen Maßstab wie bei der Muttersprache. Nicht umsonst gibt es den Spruch »Die meistgesprochene Sprache der Welt ist schlechtes Englisch«.

Paketbeschriftung: Lieferadresse / Delievery Adress
Paradebeispiel für die Weltsprache »schlechtes Englisch«. Dieses Paket habe ich nicht etwa von meiner Oma erhalten, sondern von Stiftungen eines Aktienkonzerns.

Ob man eine Sprache als witzlos empfindet, kann außerdem davon abhängig sein, in welcher Form man sie konsumiert. Wenn man sich im Fernsehen nur Synchronfassungen von US-Produktionen ansieht – und daraus besteht das Unterhaltungsprogramm zum größten Teil – wirkt Deutsch natürlich holprig. Ebenso holprig wirkt es umgekehrt aber auch, wenn man sich etwa englisch synchronisierte Animes ansieht. Eine Übersetzung kann nur selten mit der Originalfassung mithalten – Ausnahmen bestätigen die Regel. Österreichisches Kabarett kann ich mir auch kaum in Englisch vorstellen.

Kürzer = schwieriger zu lernen.

Ganz objektiv lässt sich dagegen sagen, dass englische Formulierungen kürzer sind als deutsche. Und das wird der Sprache auch ständig hoch angerechnet. Zu unrecht – wie ich meine.

Wenn Kürze so erstrebenswert ist, stellt sich nämlich die Frage, warum wir dann nicht gleich Kanji, die chinesischen Schriftzeichen, statt einer Lautschrift verwenden. So könnte man mit noch viel weniger Zeichen viel mehr aussagen. Wenn Du von Kanji schon gehört hast, wirst Du jetzt vielleicht gleich aufschreien: »Ja, aber von denen gibt es doch tausende. Wie soll man sich die denn alle merken?« Und ja, da gebe ich Dir recht. Der springende Punkt ist nur: Die Verkürzung im Englischen gegenüber dem Deutschen bekommt man ebenso wenig für lau.

Das Deutsche wird gerne für Wortungetüme wie Kraft­fahrzeug­haft­pflicht­ver­sicherung oder Syn­chronisations­konflikt­behebung kritisiert. (Letzteres habe ich kürzlich für meine Arbeitszeitaufzeichnung kreiert.) Der Vorteil solcher zusammengesetzten Wörter ist aber, dass sie sich einfach herleiten lassen. Man könnte die Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung auch einfach Krafag nennen. Aber kein Mensch, der dieses Vokabel nicht stur auswendig gelernt hat, wird dann noch wissen, wovon die Rede ist. Im Englischen ist das der Normalfall, wie ich an folgender Schweinerei demonstriere:

EnglischDeutsch
pigSchwein
wild boarWildschwein
warthogWarzenschwein
swineHausschwein
porkSchweinefleisch

Ja, das Englische hat viele wirklich kurze Wörter parat. Aber was nutzen sie Dir, wenn Du die Vokabeln nicht kennst und sie sich auch nicht logisch herleiten lassen? Das Deutsche wird gerne und zurecht wegen der Grammatik als kompliziert bezeichnet. Aber wenn jemand Artikel durcheinander bringt, ist das letztendlich ein wesentlich kleineres Problem als wenn er ganze Wörter nicht einmal im Ansatz versteht.

Kürzer = schwieriger zu verstehen.

Kurze Ausdrücke haben noch ein zweites Problem: Sie sind störungsanfällig. Wie man in Grundlagen der Informationstheorie lernt, muss man bei der Übermittlung von Informationen immer mit Störungen rechnen. Bei digitalen Texten wie diesem hier kommt es zum Glück nur selten vor, dass ganze Buchstaben oder Silben verloren gehen. Aber zu meinem Leidwesen als leidenschaftlicher Schreiber sind Deutsch und Englisch Lautsprachen – also primär dazu gedacht, gesprochen zu werden.

Und beim Sprechen und Hören sind grobe Störungen der Alltag. Akzente, Radios, lärmende Nachbarn, eine Schießerei vor dem Haus, Pfropfen aus Ohrschmalz im Gehörgang, … irgendetwas trägt immer dazu bei, dass beim Hörenden nicht alles ankommt, was der Sprechende von sich geben wollte. Wenn Wörter in all ihrer Knackigkeit dann nur aus ein oder zwei Silben bestehen, bleibt nichts Verständliches mehr übrig.

Am Weihnachtstisch kann man »pork« (»Schweinefleisch«) schon mal leicht mit »fork« (»Gabel«) oder »dork« (»Depp«) verwechseln. Um »Schweinefleisch« falsch zu verstehen, muss dagegen schon sehr viel schief gehen. Vielleicht ist ja auch das der Grund, warum es Leute gibt, die Deutsch für witzlos halten – weil man den Cousin beim Weihnachtsessen nicht ungestraft als Depp bezeichnen kann.

Englisch ist eine Nuschelsprache.

Deutsch wird im Internet gerne als besonders aggressive Sprache dargestellt, was sich auch in diversen Memes zeigt. Das ist natürlich wieder eine sehr subjektive Kritik, zumal Deutsch auch unabhängig von Dialekten je nach Region sehr unterschiedlich klingt. Wenn ich als Wiener nach der Schrift spreche, klinge ich trotzdem anders als jemand aus Berlin, der nach der Schrift spricht. Und ich denke, das Vorurteil betrifft eher den Berliner als mich, da es auch bei uns in Österreich ähnliche Klischees für Deutschland nördlich des Weißwurstäquators gibt.

Was lässt eine Sprache nun aber aggressiv klingen? Die Linguistin Lisa Davidson greift beispielhaft die Betonung des Buchstaben R heraus. Das ist ein Buchstabe, der für meine Ohren im Englischen nur in der Theorie, aber nicht in der Praxis existiert. Wenn eine klare und deutliche Aussprache also als aggressiv gilt, ist Englisch im Umkehrschluss eine Sprache, die genuschelt wird.

Im Englisch-Unterricht am Gymnasium wollte ich seinerzeit einmal eine Katze als »important« (»wichtig«) bezeichnen. Da man das »r« ja mehr oder weniger verschluckt und das »a« im Englischen mehr wie ein »e« im Deutschen ausgesprochen wird, war die Katze dann letztendlich nicht »important«, sondern »impotent«. Da konnte sich neben meinen Klassenkollegen selbst der sonst so trockene Lehrer ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen. Nur ich konnte nicht lachen, wusste ich zu dem Zeitpunkt doch als scheinbar einziger noch nicht, was Impotenz ist. Aber eines hatte ich mir damals auch schon gedacht: »Ja, Englisch ist eine verdammte Nuschelsprache!«

Wie eingangs schon gesagt, ist das aber wieder subjektiv. Wie im Deutschen gibt es auch im Englischen sehr unterschiedliche Aussprachen. Schotten und Piraten verwenden auch ganz gerne ein rollendes »r« – zumindest in diversen Fernseh-Klischees. Dass das Deutsche als aggressiv gilt, haben wir nicht zuletzt vermutlich auch einer historischen Figur mit Charlie-Chaplin-Bärtchen zu verdanken.

Englische Aussprache ist inkonsequent.

Selbst wenn es nicht genuschelt wird und die Klangqualität einwandfrei ist, kann Englisch für ungeübte Hörer immer noch schwierig zu verstehen sein, denn von der Schriftform lässt sich oft nur schwer auf die Aussprache schließen. Im Deutschen ist der am häufigsten genutzte Buchstabe, das »e«, mit der Ausnahme von Zwielauten und Fremdwörtern eigentlich immer der gleiche Laut. Im englischen Wort »men« wird das »e« ausgesprochen wie im Deutschen, bei »here« hingegen einmal wie ein deutsches »i« und einmal gar nicht. Und diese beiden Begriffe sind nicht gerade das, was man als ausgefallene Fremdwörter bezeichnen kann.

Ja, vielleicht gibt es auch hier irgendeine Systematik, die ich noch nicht durchschaut habe. Aber wenn mir das nach mittlerweile mehr als zwanzig Jahren Sprachgebrauch noch nicht klar geworden ist, spricht das entweder nicht sehr für die angebliche Einfachheit der englischen Sprache oder ich habe ein gewaltiges Brett aus deutschem Eichenholz vor dem Kopf.

Wer etwa glaubt, dass das »e« am Ende immer verschluckt wird, liegt nämlich auch wieder falsch. Bei den – zugegeben nicht ganz so alltäglichen – Wörtern »Apache« und »adobe« wird es dann doch wieder ausgesprochen. Zu der gleichnamigen Firma Adobe, die unter anderem die populären Programme Photoshop und Dreamweaver herausgibt, hat mir ein Webdesign-Lehrgangsleiter einmal sinngemäß gesagt: »Eigentlich wird es ja ›Ädobi‹ ausgesprochen, aber wenn ich das im Deutschen so mache, lacht man mich dafür aus.«

Im Englischen duzt man nicht.

Ganz gerne wird dem Englischen nachgesagt, dass es so schön locker und freundschaftlich sei, weil alle per Du miteinander sind und es kein Sie gibt. Schließlich lernt man schon in der Schule, das »you« mit »du« zu übersetzen. Bei genauer Betrachtung stimmt das gar nicht, denn das »you« ist in Wahrheit vielmehr ein »Sie«:

EinzahlMehrzahl
1. Personichwir
2. Persondu/Sieihr
3. Personer/sie/essie
EinzahlMehrzahl
1. PersonIwe
2. Personthou/youyou
3. Personhe/she/itthey

Wenn man sich die Gegenüberstellung ansieht, entspricht das »you« sogar noch am ehesten der altertümlichen Form des Ihrzens, wie in der Formulierung: »Bitte gebt mir mehr Prügel, Herr Vater! Ihr habt da eine Stelle übersehen, die noch nicht ganz blau ist.«

Das richtige englische Du lautet »thou«, ist heute aber weitgehend ausgestorben. Es wird mit wenigen Ausnahmen nur noch verwendet, wenn etwas bewusst altertümlich klingen soll. Für Leute deutscher Muttersprache lesen sich Formulierung mit »thou« dagegen auf seltsame Weise vertraut. So wird etwa aus »du liebst« ein »thou lovest« statt eines »you love«.

Romeo und Julia, Gemälde
»O Romeo, Romeo! Wherefore art thou Romeo? Deny thy father and refuse thy name; Or, if thou wilt not, be but sworn my love.« – das englische Du in der Praxis – oder zumindest in dem, was Shakespeare in seinem schwulstigen Kitsch-Bestseller »Romeo und Julia« als gelebte Praxis darstellt. (Bildquelle: Frank Dicksee / Southampton City Art Gallery)

Die Unterscheidung zwischen Du und Sie fehlt.

Jetzt kann man sagen: »Ist doch egal, ob das ›you‹ in Wahrheit ein ›Du‹, ein ›Sie‹, ein ›Ihr‹ oder sonstwas ist. Hauptsache ist, dass es heute nur noch eine Form gibt. Damit muss man sich keine Gedanken machen, wie man jemanden anspricht.«

Aber das stimmt leider auch wieder nicht. Es ist im Englischen durchaus wichtig, wie man jemanden anspricht. Nur wird diese Ansprache heute durch diverse Anhängsel erzeugt, die im Deutschen ziemlich seltsam wirken. »Sir, jawohl, Sir« in diversen Militärfilmen und noch mehr Persiflagen ist sicher das prägnanteste Beispiel. Wehe Dir, wenn Du in Englisch mit einer Respektsperson redest und am Ende auf »Sir« oder »Ma‘am« vergisst!

Vielleicht kommt es nur mir so vor, aber ich habe auch generell den Eindruck, dass im Englischen Personen viel öfter mit ihrem Namen angesprochen werden. Da muss man dann natürlich auch unterscheiden, ob man den Vor- oder Nachnamen – oder vielleicht sogar ein Kürzel oder einen Kosenamen – nimmt. Das ist letztendlich wieder das gleiche wie die Unterscheidung zwischen Du und Sie.

Vielleicht kommt da der Eindruck her, dass im Englischen fast alle per Du sind. Kürzel wie Bill, Bob, Dick und Mike scheinen in den USA der Normalfall zu sein. Oder hast Du schon einmal von William Henry Gates III, Richard Bruce Cheney oder Michael Gerard Tyson gehört?

»Der Mensch hört nichts so gerne wie seinen eigenen Namen«, hat mir erst letztes Jahr jemand in einem Workshop nahegelegt. Ich glaube zumindest, dass das in einem Workshop war. Vielleicht war es auch nur ein Kommentar über Donald John Trump (– ohne Kürzel – »Don John Trump« klingt wohl zu sehr nach Long John Silver).

Ich für meinen Teil habe es aber immer praktisch gefunden, mit Leuten reden zu können und trotz Verzicht auf Namensnennung doch ein bisschen etwas über Distanz, Respekt und Nähe aussagen zu können. Allein schon deshalb, weil ich ein grauenhaftes Namensgedächtnis habe.

Englisch ist nicht geschlechtsneutral.

Universitäten sind der Hort der zu Tode gegenderten Sprache. Immer wieder lese ich von Studenten, deren Abschlussarbeiten angeblich gar nicht erst angenommen werden, wenn diese nicht allen skurrilen Formalitäten der Gender-Fetischisten entsprechen. Ebenso oft lese ich dann aber von jenen, die sich für besonders schlau halten, dass sie ihre Arbeit ohnehin in Englisch schreiben, wo es diese ganze Problematik gar nicht gibt.

Da wurde etwa das Wort »actor« als ganz konkretes Beispiel genannt. Das kann sowohl »Schauspielerin« als auch »Schauspieler« bedeuten – eine ganz tolle Sache! Dabei ist gerade »actor« eines der dümmsten Beispiele, die man hier bringen kann. Mit »actress« gibt es von diesem Wort nämlich auch eine explizit weibliche Form. Damit unterscheiden sich »actor« und »actress« praktisch gar nicht von »Schauspieler« und »Schauspielerin«. Das deutsche Wort »Schauspieler« kann genauso für beide – oder noch viel mehr – Geschlechter verwendet werden. Aber genau das bekämpfen Sprachfeministen ja mit aller Kraft.

Der einzige Unterschied liegt darin, dass es im Deutschen die Artikel »der«, »die« und »das« gibt. Und viele Leute bilden sich nun ein, dass jede Person, die aus irgendeinem Grund mit »der« benannt ist, ein Mann sein muss. Dabei haben die Artikel mit dem biologischen Geschlecht absolut nichts zu tun. »Die Person« ist ja umgekehrt auch nicht zwangsläufig eine Frau, nur weil »die« davor steht.

Aber selbst wenn es anders wäre, würde sich der Vorteil im Englischen nur sehr kurz halten. Will man sich nur einen Satz später auf eine eben genannte Person beziehen, steht man vor dem Problem, ob man diese nun als »he« oder »she« bezeichnen muss. Und im Gegensatz zu den deutschen Artikeln kann man hier nur schwer das biologische Geschlecht wegdiskutieren, weil diese beiden Wörter ausschließlich Männer und Frauen bezeichnen. Einen Tortenheber, der im Deutschen männlich ist, wird man im Englischen nicht als »he« bezeichnen.

Im Zweifelsfall wird dann entweder generisch »he« oder das Wort »they« verwendet, das sonst eigentlich die Mehrzahl darstellt. Dadurch ergeben sich dann Sätze wie »They is a doctor«, was auch vielen Muttersprachlern grammatisch falsch erscheint und deshalb umstritten ist.

Generell sind Männer im Englischen das dominante Geschlecht. Das englische Wort »man« heißt nämlich nicht nur »Mann«, sondern gleichzeitig auch »Mensch«. Die »Menschheit« heißt dementsprechend »mankind«. Für Frauen war in der Menschheit offenbar kein Platz mehr.

Buzz Aldrin im Raumanzug auf dem Mond. Raumkapsel im Hintergrund.
»One small step for man, one giant leap for mankind.« Frauen müssen aber nicht zwangsweise zu Hause bleiben und den Heimatplaneten putzen, sondern sind mit den Männern mitgemeint. (Bildquelle: NASA)

Interessant ist auch, dass es für Frauen im Englischen nicht ein, nicht zwei, sondern gleich drei verschiedene Anredeformen gibt: »Mrs.«, »Miss« und »Ms.«. Die ersten beiden Formen unterscheiden so wie früher »Frau« und »Fräulein« im Deutschen zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen. Aber während dieser diskriminierende Unfug bei uns einfach durch die Streichung von »Fräulein« abgeschafft wurde, hat man in Englisch noch die dritte Form »Ms.« als neutrale Anrede hinzu gebastelt.

Jetzt hätte ich die Wörter »Mrs.« und »Ms.« hier im Text gerne ausgeschrieben. Das Problem ist nur: Obwohl sie so aussehen, sind es gar keine Abkürzungen. Wie die Oxford Dictionaries erklären, stand »Mrs.« ursprünglich für »mistress« (»Herrin«, »Meisterin«), hat sich aber von dieser Bedeutung gelöst und ist heute ein eigenständiges Wort mit anderer Aussprache. »Ms.« kann das sogar noch toppen und steht für gar nichts, weil es nur ein künstlicher Mischmasch aus »Mrs.« und »Miss« ist. Die Aussprache kann man deshalb auch hier wieder nur stur auswendig lernen.

Fazit: Englisch kocht auch nur mit Wasser.

Ist Englisch also gut als gemeinsame Sprache aller Länder geeignet? Nein, definitiv nicht. In der Kürze liegt nicht nur Würze, sondern auch ordentlich Pfeffer und zum Sprechen ist die Sprache schlechter geeignet als zum Schreiben. Die persönliche Anrede ist gar nicht so locker wie man vielleicht glaubt und das deutsche Binnen-I wird auch nur gegen eine komische Alternative getauscht.

Damit will ich umgekehrt nicht sagen, dass eine andere Sprache besser wäre. Ich wollte in diesem Artikel bloß ein paar alternative Fakten entkräften, mit denen Englisch immer wieder zu Unrecht in den Himmel gelobt wird.

Mir fehlt ein ausreichender Überblick, um eine einzelne Fremdsprache wirklich in Relation setzen zu können. Deutsch hat als meine Muttersprache natürlich einen klaren Sympathiebonus, aber ich glaube trotzdem jedem, dass zumindest die deutsche Grammatik schwieriger als in Englisch zu erlernen ist. Als dritte Sprache könnte ich bestenfalls noch auf ein paar Jahre Lateinunterricht verweisen. Aber davon ist außer ein paar pseudointellektuellen Sprüchen nicht mehr viel übrig. Sic transit gloria mundi.

Eigentlich ist es mir nur recht, wenn Englisch die vorherrschende Sprache bleibt. Dann muss ich zumindest nicht umlernen. Ja, da bin ich egoistisch und faul. Klar wäre es manchmal schöner, spräche die ganze Welt Deutsch. Aber wenn das dann ein ebenso armseliges Deutsch wäre wie das beim nun vorherrschenden Englisch der Fall ist, täte mir das in der Seele weh. Dazu liebe ich die deutsche Sprache zu sehr.

Kommentare

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Bisherige Kommentare

  • Yessica

    Ich fand Ihre Meinung zu diesem Thema echt interessant, doch mit einigen von Ihren Punkten habe ich echt Probleme mit. Ich weiß erstens, nur für Kontext, überhaupt nichts über Ihr Leben, doch ich nehme an, dass Sie noch nie in einem Englisch-sprechendem Land gelebt haben oder sonstig alltäglich Englisch benutzen, denn dies hier hört sich sehr an als ein Vergleich zu der deutschen Sprache, was mit der Weltsprache nichts wirklich zu tun hat.

    Erstens nehme ich mir Ihr Punkt über das Fehlen von du/sie auf English. Es stimmt überhaupt nicht, dass das "you" mehr einem Sie (oder sogar der alten Ihr-Form) ähnelt. Zwar kann man, wenn man genügend Tabellen im Netz findet, die Idee bekommen, dass man sich in English-sprechenden Ländern sogar unter Freunden und Familie Siezt. Doch man lebt nicht mehr in den Zeiten von Shakespeare. Für Deutsche oder andere, die eine formale Form von du/Sie in ihrer Sprache verwenden, hört sich dass unnatürlich an, als ob etwas in der Sprache fehlt. Doch auf Japanisch benutzt man kaum ein du/Sie, und wenn doch, ist es dasselbe Wort, egal mit wem man spricht. Hauptsache, es ist einfacher, sich nicht darüber kümmern zu müssen, ob man eine Person duzen oder Siezen soll, oder wenn man den Wechsel begehen soll. Für jeden benutzt man you, was wirklich einfacher ist und sich gar nicht unhöflich oder komisch anhört, wenn man sich daran gewöhnt hat. Ist es wirklich so schwer, einem Sir, Ma'am, oder einfach mit dem Namen anzusprechen? Auf Deutsch spricht man ja auch Namen aus. Und wenn man halt nicht will, muss man ja auch nicht auf English tun. Egal was die Filme sagen, ich selbst spreche sehr meine Amerikanischen Freunde nicht öfter mit ihren Vornamen an, als auf Deutsch.

    Nun, zweitens, gebe ich Ihnen Recht, dass viele ähnliche Wörter sich auf English nicht wirklich ähneln und dass das nicht immer praktisch ist. Aber es ist auch nicht praktisch, dass die Wörter Rücksicht, Vorsicht, Aufsicht, Hinsicht und Ansicht alle denselben Stamm haben, aber alle sehr verschiedene Meinungen haben. Darüber lässt sich wahrscheinlich diskutieren.

    Na dann. Ach, übrigens heißen die chinesischen Schriftzeichen nur Kanji, wenn sie in japanischen Texten verwendet werden.

    Ich finde selbst nicht, dass English die beste Sprache auf der Welt ist. Zum Beispiel benutzt man auf japanisch oder Chinesisch keine Artikel. Wieviel Papier wird wohl im Jahr für die Wörter der/die/das, le/la, oder the benutzt? Aber bei den Sprachen ist mir das Schriftsystem zu kompliziert.

    Die Weltsprache soll eine Sprache sein, die als Zweitsprache relativ leicht zu lernen ist. Das heißt, keine Artikel (Deutsch, Französisch, Spanisch, etc.), die reine Merkarbeit sind, keine komplizierten Konjugationen (hallo, Genitiv, Dativ, etc.), keine unpraktischen Schriftzeichen, und so weiter. Englisch ist keine perfekte Sprache, vielleicht wird man in 500 Jahren chinesische als Weltsprache benutzen, mit römischen Schriftzeichen. Aber mir ist es schon lieber, am Essenstisch aus Versehen "fork" anstatt "pork" zu verstehen, als mir tausende von Artikeln für jedes Wort zu merken.

    • Michael Treml (Seitenbetreiber)

      Antwort an Yessica:

      Danke erst einmal für diesen ausführlichen Kommentar, mit dem Sie auch ein paar gute Dinge ansprechen! Bzgl. Kanji haben Sie natürlich recht. Das habe ich nicht ganz korrekt geschrieben.

      Bzgl. Weltsprache finde ich Ihre Ausführungen aber ein wenig widersprüchlich. Einerseits definieren Sie sie als leicht zu lernende Zweitsprache, andererseits setzen Sie aber voraus, dass ich eine Zeit lang in einem Englisch sprechenden Land gelebt haben soll oder die Sprache täglich verwenden muss.

      Nein, ich habe nie länger im Ausland gelebt, aber als Informatiker und künftiger Start-up-Gründer bewege ich mich durchaus auch ein wenig in einer englischsprachigen Szene. Gerade, weil diese Szene sich so international zusammensetzt – dafür sollte eine Weltsprache ja eigentlich taugen –, hat da jeder seinen eigenen Akzent, was die ohnehin kurzen englischen Ausdrücke nur noch unverständlicher macht.

      Dass eine Unterscheidung zwischen Du und Sie umständlich ist, stimmt schon. Aber spätestens wenn man jemanden in Englisch mit Vor- oder Nachnamen anreden muss, hat man wieder genau das gleiche Dilemma. Natürlich sprechen Sie Ihre amerikanischen Freunde mit Vornamen an, aber machen Sie das auch bei Chefs, Ärzten, Fremden etc.? Ich finde es auch interessant, dass Sie hier ausgerechnet japanisch ins Spiel bringen. Nach meinem Wissensstand ist es gerade dort ganz im Gegenteil so, dass es noch viel mehr Höflichkeitsformen gibt, die z.T. die ganze Grammatik beeinflussen – und wehe, wenn Sie sich vor einem angesehenen Professor zur Begrüßung nicht tief genug verbeugen!

      Das mit den Höflichkeitsformen kommt aber sicher auch sehr auf das Umfeld an, in dem man sich bewegt. Wenn man sich nur mit Händen und Füßen untereinander verständigen kann, werden da wohl auch die meisten Muttersprachler alle Augen zudrücken.

      Dass das You heute nicht als Ihrzen wahrgenommen wird, mag schon so sein, aber um es darauf zurückzuführen, braucht man nicht »genügend Tabellen im Netz« zu finden, sondern es reicht ein Grundverständnis für Grammatik. Natürlich nimmt es niemand als Ihrzen wahr, wenn es keine gebräuchliche Alternative mehr dazu gibt. Hier haben Sie recht, dass ich mich vor allem auf den Vergleich zur deutschen Sprache beziehe, weil da immer wieder Leute unter Berufung auf das Englische die Abschaffung des Sie – aber keinesfalls des Du – fordern. Diese Forderung ist eben nach historischer Betrachtung falsch und nach heutiger Betrachtung bestenfalls willkürlich.

      Bzgl. Rücksicht, Vorsicht, Aufsicht, Hinsicht und Ansicht: Diese Wörter sind in ihrer Bedeutung gar nicht so unterschiedlich, aber wie Sie schon richtig sagen, kann man darüber diskutieren.

      Bzgl. unnötigen Artikeln und komplizierten Konjugationen gebe ich Ihnen vollkommen recht, bei »unpraktischen Schriftzeichen« ein bisschen weniger, weil das Basis-Alphabet auch nur ein willkürlicher Konsens ist – ein Ö ist per se nicht unpraktischer als ein B.

      Ja, eine Verwechslung von fork und pork kann noch ganz lustig sein, aber das war auch nur ein pointiertes Beispiel. Wenn alle restlichen Wörter im Satz aufgrund ihrer Kürze genauso missverständlich sind, dann ist der eine oder andere falsch verwendete Artikel letztendlich doch das kleinere Übel …

  • Andrej

    Wie kann ich das unterschreiben? Was können wir als EU Bürger gegen Englisch unternehmen?

    Ich will nicht, dass unsere Kinder gezwungen werden Englisch zu lernen. Ich komme aus der Slowakei. In unseren Länder (Slowakei, Tschechei, ...) verschwendet man viel Zeit und Geld mit dem Englischen, weil man denkt, dass es eine einfache Sprache ist. Das Geld (für Lehrbücher usw.) geht natürlich nach England, wobei Engländer und Amerikaner am schlechtesten Fremdsprachen beherrschen. Sie sprechen mich auf der Straβe selbstverständlich auf Englisch an, ohne darüber nachzudenken, dass sie nicht in England sind.
    Ich könnte auch viele Beispiele beitragen, wie schlecht Englisch als Weltsprache ist. Für uns ist Deutsch gar nicht schwerer als Englisch, weil es ähnliche Regel hat (Kasussystem, duzen/siezen, usw.) wie Slowakisch, Tschechisch, Polnisch o. ä.

    Vielleicht ist jetzt die richtige Zeit etwas machen, wo Groβbritannien aus der EU aussteigt.

    • Michael Treml (Seitenbetreiber)

      Antwort an Andrej:

      Aktiv auf EU-Ebene etwas gegen Englisch zu unternehmen, fände ich etwas überzogen. Soweit ich weiß, gelten in EU-Institutionen selbst ja ohnehin mehrere Amtssprachen und wenn der größte Teil der Welt eine bestimmte Sprache zumindest grob beherrscht, halte ich das grundsätzlich für keinen Fehler – nur sollte man sich halt nicht einreden, dass die Sprache, auf die man sich da geeinigt hat, anderen überlegen ist.

      Ich denke, das beste, das man unternehmen kann, ist, selbst mit gutem Beispiel voran zu gehen, indem man die eigene Muttersprache gut lernt und selbstbewusst einsetzt. Oft zeigen auch schon Kleinigkeiten, dass man sich nicht unterordnet. Ich habe mir z.B. angewöhnt, meinen eigenen Namen auch dann deutsch auszusprechen, wenn ich mich in Englisch vorstelle – umgekehrt würde schließlich auch niemand auf die Idee kommen, Michael Jackson oder Michael Jordan deutsch auszusprechen.

    • Michael Treml (Seitenbetreiber)

      Antwort an Walter:

      Kenne ich und hatte ich sogar einmal angefangen zu lernen. Allein von der US-Unabhängigkeit her würde ich Esperanto jederzeit Englisch vorziehen. Letztendlich hatte ich aber nicht genug Motivation, um mir mehr als zwei Standard-Sätze beizubringen.

  • Vaddern

    Schweinefleisch ist einfach, aber Gänsefleisch mo die Diere zumochn?

    • Michael Treml (Seitenbetreiber)

      Antwort an Vaddern:

      Eine Gans (»goose«) am Weihnachtstisch ist sogar noch raffinierter als das Schwein. Da muss man sich nicht einmal verhören, um sich beleidigt zu fühlen. Laut dict.leo.org kann »goose« nämlich auch »dumme Gans« oder »Dummkopf« bedeuten.