Was man gegen Papiermüll am Briefkasten machen kann

Ständig liegt auf dem Briefkasten in unserem Mehrparteienhaus Altpapier herum. Ein Zettel mit der Aufforderung, das zu unterlassen, hat auch nicht mehr bewirkt als ein Zauberspruch aus einem Bibi-Blocksberg-Hörbuch. Höchste Zeit für bessere Lösungsideen.

Zeitschriften und anderer Papierkram auf den Briefkästen.
Abgelegte Zeitschriften und Werbematerialien unter einem Aushang gegen abgelegte Zeitschriften und Werbematerialien.

»MÜLLABLAGERUNGEN«, lautet die Überschrift auf einem Schreiben von Wiener Wohnen, das bei uns im Stiegenhaus hängt. Der Bereich auf und um die Briefkästen sei von Werbematerial und Zeitschriften freizuhalten, wird darauf gemahnt. Gleich darunter stapeln sich auf den Briefkästen Werbematerial und Zeitschriften bis zu ebendiesem Schreiben.

Man sieht: Wiener Wohnen hätte dort wohl ebenso gut ein Kochrezept für Schweinsbraten aufhängen können. Die Wirkung wäre die gleiche gewesen. Aus diesem Grund mache ich mir in diesem Artikel ein paar Gedanken darüber, was wirklich funktionieren könnte.

Papier vermeiden

Am besten wäre es natürlich, wenn man gar nicht erst so viel Müll zugestellt bekäme. Auf sechs von zehn Briefkästen in unserem Haus steht ausdrücklich, dass keine Werbung erwünscht ist – auf zwei Fächern steht das sogar doppelt. Eine kostenlose Bezirkszeitung erhält anscheinend trotzdem jeder, obwohl sie keiner bestellt hat. Und allein diese Zeitung macht schon einmal einen guten Teil der Müllablagerungen aus.

Für mich haben solche Papiermedien – Internet sei dank – auch nur sehr wenig Bedeutung. Gedruckte Zeitungen verwende ich großteils nur noch, um Eisbergsalat darin einzuwickeln. Gelesen habe ich schon lange keine mehr. Trotzdem meinen alle möglichen Institutionen, mir ihre Zeitschriften zusenden zu müssen. Und manche davon verwenden zu meinem Ärger glattes Papier, das mangels Saugfähigkeit nicht einmal zum Salateinwickeln taugt.

In vielen Fällen könnte man sich wahrscheinlich aus dem Verteiler abmelden. Aber wer macht sich schon diesen Aufwand? Die einzige Zeitung, die ich bisher aktiv abgemeldet habe, war das hiesige Pfarrblatt. Die Autoren hatten sich in einer Ausgabe so herzlich dafür bedankt, dass ich mit meiner Kirchensteuer die Herausgabe dieses Blattes ermögliche – da schoss mir mein letztes Bisschen christliche Nächstenliebe ein und ich musste die Schwestern und Brüder darüber aufklären, dass ich in meinem ganzen Leben noch keine Kirchensteuer gezahlt habe, weil ich längst aus diesem Hostienverein ausgetreten war.

Bei Aussendungen wie dem Bezirksblatt ist das aber gar nicht möglich, weil es nicht persönlich adressiert ist. Das bekommt einfach jeder aufs Auge gedrückt – ob er will oder nicht. Gerade deshalb kann man es ja auch so unbekümmert im Stiegenhaus liegen lassen. Da kann ohnehin niemand nachvollziehen, wem dieser Mist gehört. Hundehaufen würde wahrscheinlich auch kaum jemand auf der Straße liegen lassen, stünden Name und Anschrift des Hundebesitzers darauf.

Es könnte also schon helfen, wenn generell nichts mehr ohne persönliche Anschrift zugestellt wird. Aber damit würde man sich nicht nur Freunde machen. Die Werbeindustrie würde überkochen vor Wut und ja: auch manche Mieter empfangen gerne Werbung. Ein Sonderling bei mir im Haus hat an seinem Briefkasten tatsächlich stehen: »Werbung, ja bitte«

Verbotsschild statt Amtsschreiben

»Form follows function« (»Die Form richtet sich nach der Funktion«) ist ein wichtiger Leitspruch, wenn immer es darum geht, irgendetwas zu gestalten. In diesem Zusammenhang sollte man sich fragen, warum der Hinweis auf das Verbot von Müllablagerungen nicht wie ein Verbotsschild aussieht, sondern wie ein Formschreiben aus einer verstaubten Amtsstube. Wenn man den Zettel von oben nach unten durchgeht, erfährt man erst einmal alles Mögliche – nur nichts Wesentliches.

Das Schreiben gegen Müllablagerungen.
  1. »Stadt Wien – Wiener Wohnen«
    Ach ja, das sind meine Vermieter.
  2. »Wien – unser Zuhause«
    Puh, gut dass das da steht. Sonst hätte ich glatt geglaubt, ich wohne in Graz.
  3. »Stadt Wien – Wien ist anders«
    Ähm… ja, hatten wir das nicht schon in irgendeiner Form?
  4. »MÜLLABLAGERUNGEN«
    Aha, es geht also irgendwie um Müll. Sperrmüll im Keller? Zigarettenstummel? Müllbeutel im Stiegenhaus?
  5. »An die Mieter des Hauses […]«
    Ach, da geht es ja wirklich um diese Adresse hier. So eine Überraschung aber auch!
  6. »Wien, 30.01.2015«
    Wirklich gut zu wissen, dass der Zettel schon seit mehr als drei Jahren hier hängt. Der ist wie Wein und wird mit der Zeit immer besser.
  7. »Sehr geehrte Mieterin, sehr geehrter Mieter!«
    Ach, ist das schön gegendert.
  8. »In Ihrer Wohnhausanlage werden regelmäßig Werbematerial und diverse Zeitschriften auf, unter und neben den Briefkästen abgelegt.«
    Faszinierend. Vielen Dank für diese Tatsachenschilderung!
  9. »Wir möchten darauf hinweisen, dass aus feuerschutzpolizeilichen Gründen […]«
    Puh, das ist vielleicht ein Wort! Feuerschutzpolizeilich!
  10. »[…] dieser Bereich frei von jeglichen Ablagerungen zu halten ist.«
    Ablagerungen? Ist das nicht das Zeug, das mir der Zahnarzt letztens entfernt hat? Oder diese Kalk-Krusten in der Waschmaschine?
  11. »Sie werden daher im eigenen Interesse ersucht, Ablagerungen zu vermeiden.«
    Hatten wir das nicht gerade eben?
  12. »Wir danken für Ihr Verständnis.«
    Habe ich das denn verstanden?
  13. »Mit freundlichen Grüßen […]«

Für solche Formalitäten gibt es sicher die richtige Zeit und den richtigen Ort. Es stellt sich nur die Frage, ob das hier der Fall ist. Ein Halteverbot wird ja auch nicht erst mit Logos der Bundespolizeidirektion und einer Angabe zu Aufstellort und -datum des Verkehrsschilds eingeleitet. Gebote und Verbote sollen schließlich möglichst klar und ohne Umschweife kommuniziert werden, damit sie jeder sofort wahrnimmt und versteht.

Stünde auf dem Zettel bei uns im Haus einfach nur »Bitte keine Zeitungen und anderen Müll im Stiegenhaus ablegen!«, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass das tatsächlich jeder liest und versteht, sicher größer. Das wäre wesentlich schneller durchgelesen, könnte in viel größerer Schrift plakatiert werden und kommt ganz ohne sperrige Beamtenbegriffe wie »feuerschutzpolizeilich« aus.

Wer es etwas strenger mag, könnte vielleicht auch schreiben »Zeitungen und anderen Müll im Stiegenhaus abzulegen ist verboten!« – gefolgt von einem Untertitel wie »Eltern haften für ihre Kinder« oder »Bei Zuwiderhandlung wird scharf geschossen«.

Statt bunten Logos des Spielverderbers sollte man besser ein passendes Piktogramm in kräftigem Verbotsrot einfügen, damit auch mangelnde Sprach- oder Lesekenntnisse nicht als Ausrede durchgehen. Eine durchgestrichene Hand mit Zeitung wäre etwa ein passendes Bild – oder auch ein Mieter, der neben einem vermüllten Briefkasten in Handschellen abgeführt wird. Da sieht man gleich: Hier herrschen Recht und Ordnung.

Vergleich status-quo mit prägnantem Verbotsschild.
Verbotsschild statt Amtsschreiben. So hätte das gleich eine ganz andere Wirkung. Zumindest würden viel mehr Leute darüber lachen, dass sich der Müll bis zum Schild stapelt.

Aber grundsätzlich ist es immer ein schlechtes Zeichen, wenn man irgendwo anschreiben muss, was zu tun und zu lassen ist. Das ist üblicherweise ein Symptom schlechter Gestaltung. Im Idealfall sollte einfach das zu Tuende offensichtlich und das zu Unterlassende unmöglich sein. Dazu müsste man hier dann eher an den Briefkästen selbst ansetzen.

Briefkästen abschrägen

Im öffentlichen Raum ist es ganz alltäglich, Dinge so zu gestalten, dass nichts und niemand lange darauf herumliegen kann. Am offensichtlichsten sind wahrscheinlich Abwehrmaßnahmen gegen Tauben in der Form von Netzen oder drahtigen Stacheln an der Oberfläche. Für die Abfallvermeidung ist so etwas aber eher kontraproduktiv. Den Müll würde man hinter Netzen und aufgespießt auf Stacheln nur noch mühsamer als sonst wegbekommen.

Ähnlich beliebt wie Tauben sind in vielen Städten Obdachlose. Damit die nicht auf Bänken in Parks und auf Bahnhöfen schlafen, sind diese Sitzgelegenheiten oft so gestaltet, dass man gar nicht darauf liegen kann. Da befindet sich dann gerne jeden Meter eine Armstütze oder die Sitzfläche ist so schräg, dass man sich auf den ersten Blick wundert, ob man überhaupt darauf sitzen kann.

So eine schräge Ebene ist aber auf jeden Fall ein gutes Mittel, um zu verhindern, dass sich irgendwo etwas ansammelt. Nicht umsonst sind in unseren Breiten auch die meisten Hausdächer schräg. Da werden im Zweifelsfall lieber die Fußgänger am angrenzenden Gehsteig unter einer Dachlawine begraben, als dass das Haus unter einem Schneeberg zusammenbricht.

Sitz an einem abgeschrägten Kasten.
Auf diesem Ding in einer U-Bahn-Garnitur der Wiener Linien kann man dank einer Schräge nichts ablegen. Bei einer Vollbremsung wird derjenige, der darunter sitzt, dankbar dafür sein.

Für Briefkästen wäre so ein Schrägdach die wahrscheinlich einfachste und billigste Maßnahme, um ungewollte Müllablage zu vermeiden. Wo nichts liegen bleibt, kann man auch nichts ablegen.

Briefkästen an die Decke gehen lassen

Wer vor lauter Müll sprichwörtlich an die Decke geht, kann darüber nachdenken, die Briefkästen selbiges machen zu lassen – allerdings wörtlich. Statt eines schrägen Daches könnte man den Kästen einen Aufbau aufsetzen, der bis zur Decke reicht – oder zumindest so weit hinauf, dass niemand mehr ohne Bergsteigerausrüstung an die Oberfläche kommt.

Damit der verbaute Raum nicht unnötig verschwendet wird, könnte man dort noch eine Tür einbauen und das Ganze als Paketfach verwenden. Dort können dann Sendungen abgelegt werden, die zu groß für das Brieffach sind. Man müsste nur noch ein vernünftiges System für den Zugriff finden und schon hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Briefkästen versenken

Statt die Kästen mit der Bohrmaschine billig an die Wand zu schrauben, könnte man diese auch versenken, sodass die Deckel bündig mit der Wand abschließen. So würde man auch Platz im Stiegenhaus sparen und verhindern, dass jemand im Suff mit dem Kopf gegen die Kante rennt.

Problematisch ist natürlich, dass dafür erst einmal aufwändig ein genau passendes Loch in die Wand gestemmt werden muss. Und diese Wand muss auch dafür geeignet sein. Wenn sie dünn wie Wellpappe ist und dann die Rückseite der Briefkästen beim Nachbarn aus der Badezimmerwand ragt, ist diese Lösung wahrscheinlich weniger gut geeignet.

Papierkorb aufstellen

Schräge Flächen, Aufbauten bis an die Decke und versenkte Fächer haben ein Problem: Sie helfen alle nur dagegen, dass etwas AUF den Briefkästen abgelegt wird. Laut Amtsschimmel-Schreiben soll es aber auch Leute geben, die ihren Papierkram darunter oder daneben ablegen. Gegen Gesindel, das seinen Müll einfach auf den Boden wirft, wird wohl so schnell kein Kraut wachsen – es bleibt nur zu hoffen, dass das eine absolute Minderheit ist.

Wenn alle Stricke reißen, hilft vielleicht noch ein Papierkorb neben den Briefkästen – oder besser: ein feuerfester Mülleimer. Alle Vorschriften der Welt nutzen schließlich nichts, wenn sich keiner daran hält und wenn man Papier im Stiegenhaus schon nicht vermeiden kann, dann ist es vielleicht in einem feuerfesten Mülleimer besser als am Boden aufgehoben. Aber wirklich nur »vielleicht«, denn so ein feuerfester Behälter lädt ja dazu ein, das Zeug länger zu sammeln und wird von so manchem Deppen als Aschenbecher missverstanden. Da wird das Stiegenhaus dann erst recht zu einem feuerpolizeilichen Einsatzfall.

Skizzen zu allen vorgeschlagenen Lösungsansätzen mit zunehmendem Verschmutzungsgrad.
So könnten die vorgeschlagenen Lösungen in der Praxis aussehen.

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