Internetausdrucker haben’s schwer

Ja, den Internetnutzer, der Webseiten auf Papier ausdruckt, gibt es wirklich. Aber Webdesigner machen ihm das Leben nicht immer einfach.

Mann liest ausgedruckte Websites.
Internetausdrucker bei der Arbeit.

Seiten im Web sollen und müssen flexibel sein. Die Mindestanforderung besteht darin, dass die jeweilige Seite sich an Ausgabemedien mit unterschiedlichen Abmessungen anpassen muss.

Früher, als das Internet nur Tummelplatz für tollkühne Nerds vor ihren klobigen Kisten war, galt das noch als überschaubares Problem. Der Durchschnittsnerd hatte auf seinem Röhrenmonitor eine von zwei Auflösungen. Also optimierte man seine Website auf die kleinere der beiden und alle waren glücklich.

Alle waren glücklich? Na, sagen wir lieber: fast alle. Ganz so einfach war es nämlich schon damals nicht. Zum einen soll sich flexibles Design nicht nur an den Durchschnittsnutzer, sondern an möglichst jeden richten. Zum anderen stimmt die Bildschirmauflösung auf einem PC nur in den seltensten Fällen mit dem Platz überein, der tatsächlich für eine Website verfügbar ist. Der Browser muss schließlich nicht zwangsweise in einem Vollbildfenster ausgeführt werden und kann diverse Tool- und Sidebars eingeblendet haben.

Richtigen Aufwind bekam flexibles Webdesign aber erst, als PC-Monitore immer größer und Telefone immer smarter wurden. Damit ist die Vielfalt heute so groß wie nie und eine Website soll ganz flexibel sowohl das Hochkant-Mäusekino in der Hand als auch das gekrümmte Breitbild am Schreibtisch ausfüllen.

Richtige Webdesigner berücksichtigen dann auch noch Leute, die per Sprachausgabe oder Braillezeile surfen. Nur eine Nutzergruppe ist in der Diskussion um Flexibilität aber in der Regel nicht einmal eine Randbemerkung wert: der Internetausdrucker.

Webseiten drucken? Wozu?

Jetzt höre ich schon die Frage im Raum stehen: »Webseiten ausdrucken? Wer macht denn sowas?« Der sogenannte Internetausdrucker gilt nicht umsonst als Dorfdepp, sind die Inhalte am Monitor doch viel flexibler. Trotzdem gibt es Fälle, in denen so ein Ausdruck durchaus sinnvoll sein kann.

Dazu sollte man unterscheiden, wofür man das Internet überhaupt nutzt. In Zeiten, in denen Achtjährige mit Smartphone in der Hand herumrennen, wird das Internet wohl in erster Linie als Unterhaltungsmedium angesehen. Klar, mit einem Standbild aus einem Katzenvideo oder einem Instagram-Foto von Makkaroni mit Käse wird hoffentlich kaum jemand seinen Drucker quälen. Wenn überhaupt, dann ist Drucken eher in praktischen und geschäftlichen Anwendungsfällen ein Thema.

Ein paar Beispiele:

  • Daten für unterwegs
    Insbesondere Wegbeschreibungen drucke ich aus Prinzip immer aus, weil ich nicht auf anfällige Technik, einen vollen Akku und womöglich auch noch eine gute mobile Netzabdeckung und GPS angewiesen sein will, nur um von A nach B zu kommen. Ich habe mich in meinem Leben zwei mal zur Orientierung auf Kollegen mit Smartphone oder Tablet verlassen und beide Male hatten wir uns verlaufen, weil der Akku fast leer war. Damit mein Plan auf Papier nicht mehr zugänglich ist, müsste ich schon in Flammen stehen.
  • Daten für Besprechungen
    Wer in einer Besprechung Daten auf Papier mit hat, zeigt, dass er sich vorbereitet hat. Wer stattdessen auf Smartphone oder Tablet herumwischt, könnte sich genauso gut auf Facebook oder im Online-Casino herumtreiben. Zettel kann man außerdem leichter herumreichen und im Team Markierungen und Notizen darauf machen.
  • Daten für Prüfungen
    In meiner Schulzeit haben Lehrer für Schularbeiten oft Kopien von Texten aus Büchern oder Zeitungen ausgegeben. Ich gehe davon aus, dass sie heute vermehrt Texte aus dem Web austeilen – und damit auch indirekt Werbung für die jeweilige Website machen.
  • Daten für dauerhafte, einfache Zugänglichkeit
    Geräte wie Smartphones schalten in ihrer Standardeinstellung nach kurzer Wartezeit ohne Interaktion ihren Bildschirm aus, um den Akku zu schonen, und nach längerer Inaktivität verlangen sie einen Entsperrcode – immerhin könnten sie in der Zwischenzeit ja gestohlen worden sein. Das ist in der Regel auch gut und sinnvoll so, aber für manche Anwendungen eine Hürde. Beim Kochen wird zum Beispiel niemand gerne mit Teig auf den Fingern einen PIN eingeben, um noch einmal das Rezept zu sehen – zumal man es unter den Teig-Klecksen dann nur noch schwer lesen kann.
  • Archivierung als PDF
    Zumindest im Betriebssystem Ubuntu habe ich über das Druckmenü von vornherein auch die Möglichkeit, statt eines Ausdrucks auf Papier eine PDF-Datei zu erzeugen. Damit ließen sich Webseiten grundsätzlich besser archivieren als mit anderen Methoden, denn im Gegensatz zu Screenshots wird der Text nicht in Bilder umgewandelt und bleibt damit durchsuchbar – und im Gegensatz zu »Speichern unter« müssen keine externen Dateien mitgespeichert werden und korrekt verknüpft bleiben (, was in der Regel ohnehin nicht funktioniert).

Nicht umsonst hat das Konzept vom papierlosen Büro mittlerweile Jahrzehnte auf dem Buckel und ist trotzdem praktisch nirgends umgesetzt. Einen Zwang zu Papier gibt es mit heutiger Technik zwar kaum noch, aber einen Zwang zum Papierverzicht gibt es ebenso wenig.

Optimiert für nichts und niemanden

Früher sah man im Internet oft Hinweise nach dem Schema »Diese Seite ist optimiert für Internet Explorer 6 und eine Auflösung von 600 × 400 px«. Neben der Bildgröße war also auch die Wahl des Browsers bedeutend. Je nachdem, mit welchem man ins Web ging, konnten Seiten tatsächlich unterschiedlich aussehen oder komplett unbrauchbar sein.

Seitdem hat sich vieles zum Positiven geändert und die meisten Websites schauen heute in aktuellen Browsern weitgehend gleich aus. Bloß in der Druckansicht scheint sich noch ein bisschen Charme der alten Zeit erhalten zu haben. Zwischen Chromium (der Basis von Googles Chrome) und Firefox gibt es gelegentlich große Unterschiede. Nur eines ist anders als damals: Die meisten Webdesigner haben ihre Darstellung für keinen von beiden Browsern optimiert.

Vermessene Maße

Eines der schwerwiegendsten Probleme beim Druck sind fehlerhafte Abstände und Größen. Irgendwie ist es erstaunlich, dass so etwas überhaupt auftritt – schließlich werden für den Druck standardmäßig die gleichen Maße wie für die Darstellung am Monitor genutzt. Wenn ein Seitendesign sich am Bildschirm an verschiedenste Abmessungen und Formate anpassen kann, ist es eigentlich verwunderlich, wenn das auf Papier nicht genauso funktioniert. Nichtsdestotrotz werden etwa im offiziellen Wordpress-Blog winzige Symbolgrafiken auf ein seitenfüllendes Format aufgeblasen, sobald man etwas drucken will.

A4-Blatt mit seitenfüllendem Uhrensymbol.
Wordpress-Blog: Ein Symbol, das winzig und unscheinbar neben dem Veröffentlichungsdatum stehen sollte, ist zu einem Monster mutiert.

Die meisten Browser haben sich zumindest angewöhnt, Internetseiten in der Druckvorschau automatisch an die Seitenbreite anzupassen. Dadurch schauen viele Websites auf den ersten Blick gar nicht so daneben aus. Firefox benutzt standardmäßig aber die tatsächlichen Maße. Wenn man das nicht umstellt, wird so gut wie jede Seite am rechten Rand abgeschnitten. Und Otto Normalnutzer stellt bekanntlich nichts um …

Ausschnitt einer Google-Suche. Text ist rechts abgeschnitten.
Selbst Google-Suchergebnisse werden in Firefox an der rechten Seite abgeschnitten.

Hintergründige Verluste

Wer zeigen will, wie unbeschreiblich cool er ist, der macht seine Website komplett schwarz und packt weißen Text darauf. Das bringt ohne weitere Anpassungen noch einen zweiten coolen Effekt mit sich: Beim Ausdrucken wird die gesamte Seite wie von Zauberhand unsichtbar. Echt geil!

Browser haben nämlich die Angewohnheit, in ihrer Standardeinstellung viele Hintergrundfarben und -bilder auszublenden. Das ist auch sinnvoll so, immerhin will niemand eine halbe Druckerpatrone entleeren, um sich das Impressum eines Bestattungsunternehmens auszudrucken. Beerdigungen sind auch so schon teuer genug.

Eingefärbte Flächen gibt es viele im Web – und nicht nur in Schwarz. Wenn die weg sind, bleibt oft schlechter Textkontrast übrig. Auch Hintergrundbilder gibt es weitaus mehr als man vermuten würde, denn ob ein Bild als Hintergrundbild gilt oder nicht, ist eine rein technische Definition. Die stimmt nicht immer mit dem überein, was man sich als Seitenbesucher unter einem Hintergrundbild vorstellt.

Amazon und Facebook binden etwa ihre Firmenlogos als Hintergrundbilder ein. Druckt man eine ihrer Seiten aus, ist das Branding weg. Wenn das die Marketing-Abteilungen wüssten, wäre das wahrscheinlich noch vor dem nächsten Frühstück geändert.

Drei Ausschnitte aus verschiedenen Websites.
Na, erkennst Du so ganz ohne Logo, um welche drei bekannten Seiten es sich hier handelt?

Erstarrte Dynamik

Ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen Papier und Monitor ist die Tatsache, dass Papier nicht interaktiv ist. Das klingt banal, hat es bei näherer Betrachtung aber ganz schön in sich.

Wie ich in meiner Kritik an Infinite Scrolling schon geschrieben hatte, kann es für das Drucken von Internetseiten teuflisch sein, wenn Inhalte interaktiv geladen werden. Da muss man erst einmal weit genug scrollen, bis alle gewünschten Informationen geladen sind – sonst werden sie auch nicht ausgedruckt.

In ähnlicher Manier bekommt man bei der österreichischen Bank BAWAG PSK Produktinformationen nur häppchenweise serviert. Zur Kreditkarte Gold werden etwa standardmäßig nur Werbesprüche eingeblendet. Die eigentlichen Informationen über Konditionen und Rechtliches finden sich in Bereichen, die standardmäßig ausgeblendet sind und erst bei einem Klick ausgeklappt werden. Das ist auf dem Monitor schon bezüglich Benutzerfreundlichkeit fraghaft, aber wenn man sich kurz vor einem Banktermin rasch eine Produktinformation ausdruckt, wird man dumm aus der Wäsche gucken, wenn man dann nur hohle Werbephrasen dabei hat.

Buntes Bild, das in wenigen Worten die Reiseversicherung der Kreditkarte Gold bewirbt, darunter die Überschriften »Details«, »Entgelte & Konditionen« und »Rechtliches« ohne weiteren Inhalt.
Hauptsache, es war genügend Platz für eine bunte Werbebotschaft. Vom eigentlichen Inhalt bekommt man nur die Überschriften zu sehen, wenn man sie vor dem Drucken nicht ausgeklappt hat.

Umgekehrt zum Einblenden sollte man als Nutzer dann auch noch darauf achten, erst einmal alle interaktiv eingeblendeten Meldungen wegzuklicken. Die meisten Websites sind zwar erbarmungslos, wenn es darum geht, Daten zu sammeln und an Dritte zu übermitteln – wenn allerdings auch auf einer Papierseite der Satz prangt »Diese Seite sammelt Cookies«, dann entspricht das nur der Wahrheit, wenn man knusprig-süße Backwaren darauf ablegt. Solche Meldungen verschwenden unnötig Platz, aber was noch schlimmer ist: Oft überlagern sie andere Teile der Seite.

Ein besonderer Fall von interaktiven Elementen, die es auf fast jeder Website gibt, sind Links und Menüs. Es ist ja gerade der Grundgedanke des Web, dass man Dokumente miteinander verknüpfen kann, aber sobald man eine Website auf Papier bringt ist die Verknüpfung natürlich weg und das Hauptmenü taugt bestenfalls noch als eine Art Speisekarte, auf der man sich überblicksartig ansehen kann, was man auf einem Computer oder Smartphone anfordern könnte.

Vielleicht ist das auch eine Geschmacksfrage, aber ich würde als Webdesigner zumindest jene Menüs, die sich auf jeder Seite wiederholen, im Druckformat immer ausblenden. Insbesondere packen manche Seiten so viele Zusatzlinks ans Seitenende, dass ein Ausdruck mitunter mehr Menü als Inhalt zeigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mehrere Inhaltsseiten ausdruckt und sich dann am seitenlangen Menü stört, ist sicher ungleich größer als dass jemand gezielt eine Website-Navigation auf Papier bannen will. Man muss schon sehr kreativ sein, um sich ein Szenario einfallen zu lassen, in dem ein gedrucktes Menü sinnvoll wäre.

Was man natürlich nicht ausblenden sollte, sind Links, die in den Inhalt eingebettet sind. Wikipedia wäre kaum noch lesbar, würden alle verlinkten Begriffe in einem Artikel fehlen. In so einem Fall kann es sich ganz im Gegenteil sogar auszahlen, beim Ausdrucken zusätzliche Informationen einzublenden, damit man zumindest sieht, wo der Link hinführen würde. Statt »wie ein deutsches Qualitätsblatt berichtet […]« könnte dort dann zum Beispiel stehen: »wie ein deutsches Qualitätsblatt [https://www.bild.de] berichtet […]«. Aus solchen Informationen kann man dann schon ohne Internetzugang sehr konkrete Schlüsse ziehen. Und sobald man wieder ins Internet kommt, kann man jeder (seriösen) Referenz im Text problemlos nachgehen.

Ein Allheilmittel ist so ein Einfügen zusätzlicher Informationen aber auch nicht. Auf Wikipedia etwa würde es wenig Sinn ergeben, da die im Inhalt verlinkten Begriffe ohnehin nur auf andere Wikipedia-Artikel mit großteils vorhersehbarem Linkpfad führen. Bei sehr hoher Linkdichte oder langen Pfaden kann das Einblenden dieser Information die Lesbarkeit des Inhalts verschlechtern.

Drucker ignorieren – ein Spaß für die ganze Familie

Ich will nicht behaupten, dass meine eigene Website ideal ist. Ich blende Pfade im Inhalt beim Drucken ein, habe mir bisher aber auch noch nie Gedanken gemacht, wenn ich auf Seiten mit extrem langen und kryptischen Pfaden verlinkt habe. Das unter jedem Artikel liegende Kommentier-Formular, mit dem man auf Papier nichts anfangen kann, blende ich zwar aus, aber wenn es noch keine Kommentare gibt, steht dann trotzdem dort: »Traue Dich und schreibe als erster Deine Meinung!« Das war von meiner Seite jedenfalls nicht als Aufforderung gedacht, mir einen Leserbrief per Post zu senden.

Aber das sind Kinkerlitzchen im Vergleich zu den Problemen auf anderen Websites. Sich nicht einmal ansatzweise um Drucker zu scheren, ist keineswegs nur unter kleinen Homepage-Bastlern verbreitet. Die genannten Beispiele von Facebook, Amazon und BAWAG PSK zeigen, was Sache ist. Auch Apples Website ist in der Druckvorschau ein Totalschaden, aber denen traue ich zu, an die Mär vom papierlosen Büro zu glauben und dieses vermeintlich antiquierte Zellulosezeugs namens Papier daher bewusst zu sabotieren. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie gängige Standards abschaffen wollen.

Apple-Website, die nur aus hohlen Phrasen in schwarzer und grauer Schrift auf weißem Untergrund besteht.
»More powerful, more colorful.« – »This is Apple at Work.«

Das offizielle Wordpress-Blog mit seinen ungewollten Riesen-Icons ist als schlechtes Vorbild übrigens auch nicht zu verachten. Wordpress selbst ist nämlich ein System, auf dem mittlerweile jede dritte Website basiert!

Aber es kommt noch schlimmer: Nicht nur die Masse, sondern auch die Klasse kümmert sich nicht um Druckformate. Ich habe in zwei Suchmaschinen nach dem Begriff »Webdesign« gesucht und mir die Websites aller Anbieter auf der ersten Ergebnisseite angesehen. Fazit: Ein einziger Webdesigner hat seine eigene Website auch für den Druck optimiert.

Text über Webdesign für höchste Ansprüche, der wegen einer Fehldarstellung nicht zu Ende gelesen werden kann.
Screenshot-Ausschnitt aus der Druckvorschau einer Webdesign-Agentur. Der graue Balken ist nicht von mir eingefügt worden, um die Seite zu anonymisieren, sondern ist ein tatsächlich vorhandenes Element, welches das Selbstlob überdeckt. Herrliche Ironie!

Bei all den Komplikationen als Internetausdrucker ergibt sich damit zumindest ein Vorteil: Man kann als Laie einfach und schnell herausfinden, ob eine Webdesign-Agentur wirklich etwas von ihrem Handwerk versteht, oder bloß Grafiker beschäftigt, die hübsche Bildchen auf unterschiedlich große Monitore packen.

Kommentare

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Tony T, 2019-04-19 19:09:

Ich hab gestern ein Rezept ausgedruckt, überall lästige Links. Dadurch verteilte sich das Rezept auf zwei Seiten, wobei ein Teil davon durch ein Riesenschild "Cookies akzeptieren" verdeckt und damit unlesbar war. Ziemlich bescheuert^^

Bisherige Kommentare

  • Tony T

    Ich hab gestern ein Rezept ausgedruckt, überall lästige Links. Dadurch verteilte sich das Rezept auf zwei Seiten, wobei ein Teil davon durch ein Riesenschild "Cookies akzeptieren" verdeckt und damit unlesbar war. Ziemlich bescheuert^^