Lüftungsschlitze in Fenstern: Verstellung möglich, aber brandgefährlich?

Seit einer Sanierung haben zwei Fenster in meiner Wohnung verstellbare Lüftungsschlitze. Wenn man sie tatsächlich schließt, zuckt allerdings der Rauchfangkehrer aus.

Finger auf Schieberegler und Warnsymbol mit Totenschädel.
So verlockend es auch ist, an diesem Schieberegler herumzuspielen – man sollte es besser sein lassen. (Bildquelle Warnsymbol: MarianSigler)

»Die Schlitze müssen immer offen sein«, hatte man mir sinngemäß anno 2006 gesagt, als neue Fenster in meine Wohnung eingebaut wurden. Das hatte ich mir auch gemerkt. Trotzdem bekam ich Jahre später vom Rauchfangkehrer Schelte, weil ich zwischenzeitlich an diesen Schlitzen herumgefingert hatte. Der wahre Übeltäter war aber wie so oft ein Produkt, bei dem nicht ausreichend an die Benutzer gedacht wurde.

Warum überhaupt Lüftungsschlitze?

Beginnen wir einmal ganz am Anfang. Wie kommt es eigentlich, dass ich nach einer Sanierung plötzlich eine neue Bedienungsanleitung für strunzdumme Fenster benötige? Wie sich zeigt, hat Fortschritt einmal mehr auch Schattenseiten mit sich gebracht.

Meine alten Fenster hatten von Natur aus Lüftungsschlitze. Anders ausgedrückt: Die groben Holzrahmen waren von oben bis unten undicht. Solche undichten Fenster sind bekanntlich ein Graus – schließlich will man im Winter ja nicht die ganze Nachbarschaft mitbeheizen. Also werden Häuser immer besser isoliert und die Fenster immer dichter.

Dummerweise bleibt in einer komplett dichten Wohnung aber nicht nur die erwünschte Wärme erhalten, sondern auch ein paar weniger erwünschte Gäste wie Feuchtigkeit und – unter bestimmten Umständen – giftiges Kohlenmonoxid. Deshalb haben moderne Fenster oft Lüftungsschlitze, um teilweise wiederherzustellen, was man erst mühsam abgeschafft hat.

Darf's Luft oder doch lieber Gift sein?

Angestaute Feuchtigkeit durch mangelnde Lüftung begünstigt vor allem Schimmelbildung. Die bringt einen zwar nicht sofort unter die Erde, aber auch langsam kommt man bekanntlich ans Ziel.

Deutlich schneller wird man dagegen von einer ordentlichen Konzentration Kohlenmonoxid über den Jordan geschickt. Da dieses Gas geruchlos ist, bekommt man nur ein paar recht diffuse Symptome wie Schwindel und Kopfschmerzen, bevor man in Ohnmacht fällt und erstickt.

Kohlenmonoxid entsteht bei einer Verbrennung, der nicht ausreichend Sauerstoff, etwa in Form von Luft, zugeführt wird. Für so eine Verbrennung braucht man nicht unbedingt einen Scheiterhaufen im Wohnzimmer, um die Schwiegermutter zu verbrennen – es genügt wie in meinem Fall auch eine Gastherme in Küche.

Soweit ich es verstanden habe, sollten diese Gase üblicherweise durch den Schornstein abziehen, weil sie heißer als Luft sind und daher aufsteigen. Insbesondere an heißen Sommertagen kann es allerdings auch zu einem Rückstau kommen.

Besonders ahnungslose Leute stellen sich an diesen Hundstagen auch noch eine mobile Klimaanlage in die Wohnung, die nicht nur keine frische Luft hereinlässt, sondern die vorhandene auch noch fleißig hinaus pustet. Dadurch werden die Abgase aus dem Schornstein in die Wohnung gesaugt und eine sonst wahrscheinlich überschaubare Kohlenmonoxid-Gefahr wird tatsächlich zur Todesfalle.

Verschließmechanismus für Masochisten?

Solange ich mir keine Klimaanlage aufstelle, werde ich wahrscheinlich nicht sofort ersticken, wenn ich die Lüftungsschlitze schließe. Aber wie es aussieht, kann es zumindest ein Gesundheitsrisiko sein und das erklärt auch, warum der Rauchfangkehrer mich sehr eindringlich ermahnt, die Lüftung geöffnet zu lassen.

Die Frage ist bloß: Warum hat man mir dann überhaupt die Option gegeben, diese Schlitze mit einem locker sitzenden Schieberegler zu schließen? Ich bin schon lange auf keinem Fahrersitz mehr gesessen, aber gibt es in einem PKW einen großen Schalter, mit dem man die Airbags abschalten kann? Hat der Autopilot eines Flugzeuges einen eigenen Absturzmodus? Gibt es zu einer Bratpfanne einen Wechselgriff aus Stahl, an dem man sich zwangsweise die Finger verbrennt? Wozu soll das gut sein? Wozu gibt man mir eine Möglichkeit, die mir ohnehin nur schaden kann?

Warum ich die Regler trotzdem verschoben hatte?

Wenn mir nun also bewusst war, dass ich diesen Regler nicht verstellen darf: Warum hatte ich es trotzdem gemacht? Nein, ich bin kein Masochist und hatte auch nicht darauf gehofft, von giftigen Gasen high zu werden. Grund war der der Hochzeitsflug der Ameisen vor meiner Küche. Diese Mistviecher schwärmten früher jeden Sommer mehrmals aus und verirrten sich dann über das Küchenfenster scharenweise in meine Wohnung.

Um die geflügelte Freier-Armada auch aus den Lüftungsschlitzen zu vertreiben, bewegte ich die Schieberegler mehrmals hin und her. Dummerweise wusste ich danach nicht mehr, in welcher Position die Regler ursprünglich standen.

Wann sind die Schlitze offen, wann geschlossen?

Grundsätzlich kann es ja viele Gründe geben, warum man die Regler verstellt. Liebesgeile Ameisenpiloten sind wahrscheinlich nicht der alltäglichste Fall, aber es genügt auch schon, wenn man beim Fensterputzen unachtsam über die Schlitze wischt. Das Problem wäre in beiden Fällen auch nur ein recht kleines, würde man wenigstens deutlich sehen, wo die Regler eigentlich stehen sollten. Selbstverständlich ist das bei meinen Fenstern nicht der Fall, sonst wäre dieser Artikel sehr kurz ausgefallen.

Intuitiv würde ich sagen, dass der Schlitz ganz offen ist, wenn der Regler ganz rechts steht – analog zu einer Lautstärkeregelung, bei der das Maximum ja auch rechts liegt. Unter den Schlitzreglern befindet sich sogar eine Abbildung, die genauso aussieht wie man es von Lautstärken kennt – eine Fläche, die von einer Seite zur anderen, ausgehend von einem Punkt, immer breiter wird.

Lautstärkeregler und andere Elemente an einem Diktiergerät.
So kennt und liebt man seine Regler: links weniger, rechts mehr – und das breiter werdende Legendensymbol unterstreicht diese Bedeutung.

Das Problem bei dieser vermeintlichen Legende ist bloß, dass sie auf meinen Fenstern spiegelverkehrt dargestellt ist. Die Fläche wird von links nach rechts kleiner statt größer. Bedeutet das nun, dass die Schlitze offen sind, wenn der Regler links steht? Oder gibt die Abbildung nicht den Grad der Öffnung, sondern den Grad der Dichtheit an … oder den Grad der Sicherheit?

Schieberegler eines Lüftungsschlitzes mit Legendensymbol
So überraschen und verwirren einen seine Regler: links mehr, rechts weniger – zumindest das schmaler werdende Legendensymbol impliziert diese Bedeutung.

Auch die anderen Fenster in meiner Wohnung – drei Stück an der Zahl – waren keine große Hilfe. Bei einem im Wohnzimmer stand der Regler rechts, aber die anderen beiden hatten keine sichtbaren Lüftungsschlitze. Waren sie bei dem einen Vergleichsfenster nun also offen oder geschlossen? Der Rauchfangkehrer hatte zumindest bei den jährlichen Kontrollen nie einen Fuß in mein Wohnzimmer gesetzt – schließlich werden dort ja keine Schwiegermütter oder sonst etwas verbrannt.

Letztendlich gab ich mich demokratisch und stellte die Regler am Küchenfenster in die Mitte. Eine halbgare Lösung ist schließlich besser als eine möglicherweise komplett falsche. Nur der Rauchfangkehrer war damals, wie schon gesagt, weit weniger begeistert von meiner diplomatischen Kompromissbereitschaft.

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