Warme Ohren an kalten Tagen

Wenn die Ohren frieren, muss man nicht zwangsläufig zur Mütze greifen. Es gibt auch andere Kopf- und Ohrbedeckungen.

Ich greife mir in einer Schneelandschaft winterlich vermummt an die Ohren.
Wenn es draußen kalt wird, gehören meine Ohren zu dem ersten, was ich vor der Kälte schützen muss.

Kopfbedeckungen jedweder Art waren lange die erklärten Erzfeinde meiner wallenden Mähne. Sobald ich mir irgendetwas auf den Schädel setzte, war ich entweder dazu gezwungen, es dort zu lassen, oder nach dem Abnehmen für den Rest des Tages mit einer Kissenfrisur herumzulaufen. Aus diesem Grund mied ich Schädelklamotten wie der Teufel das Weihwasser. Als mein Lebensalter zu- und meine Kopfbehaarung abnahm, löste sich dieses Problem aber langsam in Wohlgefallen auf. Heute trage ich nicht nur Vollglatze, sondern im Sommer auch einen Panama-Hut als Sonnenschutz.

Während ich früher an warmen Tagen problemlos auf Kopfbedeckungen verzichten konnte, kam ich im Winter nie so leicht davon. Vor zu viel Sonne kann man sich schließlich im Schatten verstecken, aber zu viel Frische an den Ohren ist wesentlich hartnäckiger. Und weil Mützen die schlimmsten Haar-Zerknautscher von allen sind, war ich hier schon früh auf der Suche nach Alternativen.

Ein Band um den Kopf

Wenn eine Mütze zu viel des Schlechten ist, liegt eine gute Alternative nahe: Man lässt einfach den oberen Teil weg. Den Rest bezeichnet man als Stirnband … obwohl »Ohrband« in meinem Fall treffender wäre; schließlich trage ich das Ding nicht meiner Stirn zuliebe.

In Kombination mit ausreichend natürlichem Schädel-Bewuchs ist so ein Band effizienter als eine Mütze, weil es vorwiegend das schützt, was von Natur aus ungeschützt ist und dementsprechend weniger Platz braucht. Als Frisuren-Zerknautscher kann es sich schlimmstenfalls an den Schläfen oder am Hinterkopf austoben.

Wenn einem die Stirn langsam in Richtung Nacken wächst, funktioniert diese Kooperation zwischen Stirnband und Haaren allerdings zunehmend schlechter … und sieht auch immer eigenwilliger aus. Spätestens mit einer Vollglatze vermittelt man optisch den Charme eines Eierbechers.

Ich mit Stirnband. Links mit Haaren, rechts mit Glatze.
Als ich noch Haare hatte, war das stimmiger.

Ich selbst habe zugegeben nur wenig Kälteempfinden auf meiner kahlrasierten Schädeldecke und deshalb ist ein Stirnband zumindest für mein vorübergehendes Wohlbefinden ausreichend warm. Ob das bei Extrem-Kälte auch auf meine langfristige Gesundheit zutrifft, ist mir dagegen nicht so klar. Es wäre jedenfalls unschön, wenn mir nach den Haaren jetzt auch noch das erfrorene Fleisch vom Kopf fällt.

Minimalismus für die Ohren

Extremwetter-Szenarien einmal außen vor gelassen, ist es – wie schon gesagt – nicht die Stirn, die von meinem Stirnband geschützt werden soll. Dementsprechend kann man den Stirnteil auch weglassen und stattdessen nur noch Ohren und Hinterkopf bedecken. Solche Ohrenschützer hatte ich zwar noch nie in der Hand, aber grundsätzlich existieren sie. Und es ist offensichtlich, dass diese steifer als Mützen und Stirnbänder sein müssen, sonst hätten sie ja keinen Halt. Vermutlich ist das also eine Gratwanderung zwischen »fällt bei jeder Kopfbewegung herunter« und »fühlt sich an als wäre mein Kopf in einem Schraubstock«.

Zwei ältere Personen mit Ohrenschützern, die im Nacken zusammengehalten werden.
Ohrenklammern, die sich an Ohren klammern. (Bildquelle: Stilfehler, CC BY-SA 3.0 Deed, Bild nachbearbeitet)

Alternativ dazu gibt es auch Ohrenschützer, die wie Kopfhörer nach oben hin von einem Bügel zusammengehalten werden. Die werden – Schwerkraft sei Dank – wahrscheinlich einen verlässlicheren Halt haben, drücken einem aber im Gegenzug eine Delle ins Haupthaar oder in den Skalp.

Ein anderes Produkt treibt den Minimalismus schließlich auf die Spitze: Sogenannte Ear-Bags sind, wie ihr Name schon sagt, zwei kleine, separate Stofftaschen, die man sich über die Ohren zieht. Damit sie gut halten, befindet sich unter dem Stoff jeweils ein Bügel, der in zwei Richtungen einschnappt. Nach innen gebogen erleichtert er das Hineinschlüpfen, nach außen gebogen klammert er sich ans Ohr.

Links: Zwei Ear-Bags in einer Hand. Rechts: Ear-Bag an einem Ohr.
Ear-Bags: Pullover für Ohrmuscheln.

In Sachen Platzbedarf ist diese Lösung nicht mehr zu unterbieten. Nach längerer Nicht-Nutzung war ich immer wieder überrascht, diese Dinger in meiner Manteltasche zu finden, weil ich sie dort die längste Zeit über gar nicht bemerkt hatte.

Längere Phasen der Nicht-Nutzung hatten neben dem Wetter allerdings oft auch einen anderen Grund: Diese Ear-Bags sind so unbequem zu tragen, dass ich sie zunehmend gemieden habe. Gelegentlich hatte ich den Eindruck, dass die namentliche Ähnlichkeit mit »Body Bags« (englisch für Leichensäcke) kein Zufall war.

Vielleicht hatte ich bloß meine Segelohren unterschätzt und die falsche Größe gekauft, aber von anderen Käufern habe ich wiederum gelesen, dass solche Ohrensäcke keinen sonderlich zuverlässigen Halt haben sollen. Offenbar besteht also auch hier eine Gratwanderung, die man bei Stirnbändern oder Mützen so nicht hat.

Zurück zur Mütze

Mit wachsenden Geheimratsecken und immer kürzerer Trimmer-Frisur wurde ich auch mit meinem Stirnband zunehmend unzufriedener. Aber erst, als ich bei der Endstation namens Glatze angelangt war, konnte ich mich überwinden, wieder zur einfachen Stoffmütze zurückzukehren, wie ich sie seit meiner Kindheit nicht mehr getragen hatte.

Zerknautschen kann sie mir heute nichts mehr, aber nun habe ich ein anderes Problem: Sie passt nicht mehr so recht zu meinem mittlerweile geänderten Kleidungsstil. Ich trage im Winter schon seit Jahren Trenchcoats, die an alte Schwarz-Weiß-Filme erinnern, aber mit Mütze sehe ich weniger wie ein abgebrühter Privatdetektiv aus als vielmehr wie ein bankrott gegangener Aktienmakler, der sich auf der Straße an einem brennenden Mülleimer wärmt.

Links: Ich in Trainingsanzug mit schwarzer Mütze. Rechts: Ich in Trenchcoat mit grauer Mütze.
Eine einfache Mütze passt gut zu meinem Sport-Outfit, aber weniger gut zu meinem Spießer-Outfit.

Ja, das mag nur ein subjektiver visueller Eindruck sein, aber mein Stirnband hatte ich ja auch allem voran deshalb in den Kleiderschrank verbannt, weil ich vor dem Spiegel das Gefühl hatte, dass mir Humpty Dumpty entgegen schaut. Insofern war die Verwandlung zum ebenso subjektiven Pleitegeier kein feiernswerter Fortschritt.

Aber dieses Problem liegt nicht notwendigerweise am Konzept Mütze an sich, sondern mehr an der konkreten Form. Mein extravaganter Mantel verlangt vermutlich auch nach einer extravaganten Mütze statt eines einfachen Stoffschlauches, der oben zugenäht ist.

Eine Pelzmütze mit Ohrenklappen könnte sich da anbieten. So etwas findet man etwa unter dem Namen »Uschanka«, der sich vom russischen Wort für Ohren ableitet. Wie dieses Wort schon andeutet, kommt diese Kopfbedeckung ursprünglich aus Russland beziehungsweise aus der Sowjetunion – was zur Folge hat, dass solche Mützen auch heute noch gerne mit einem Stern-Hammer-und-Sichel-Emblem auf der Stirn ausgestattet sind … womöglich nicht die beste Symbolik, um damit in einem westlichen Land vor das Haus zu gehen.

Mütze mit Stern-Hammer-und-Sichel-Symbol. Links mit hochgebundenen Ohrenklappen, rechts mit nach unten ausgeklappten Ohrenklappen.
Uschanka aus der Armee der Sowjetunion, links mit hochgebundenen Ohrenklappen. (Bildquelle: Eugene Zelenko, linkes Bild, rechtes Bild, CC BY-SA 4.0 Deed, nachbearbeitet)

Neutralere Exemplare findet man unter anderem mit den Begriffen »Fliegermütze« und »Trappermütze«. Dass viele von diesen Ohrenklappenmützen extrem warm aussehen, ist allerdings auch ein zentraler Grund, warum ich mir bisher keine gekauft habe. Ich will zwar warme Ohren haben, aber sibirische Winter sind in meinem Heimatland Österreich eher selten und ich bin auch viel zu Fuß unterwegs – da könnte zu viel Pelz am Kopf eher schweißtreibend sein. Und falls es unterwegs generell zu warm für eine Mütze wird, sollte man besser eine Hand zum Tragen frei haben, denn in einer Manteltasche wird man so ein opulentes Ding kaum unterbringen.

Ohrenklappen gegen klappernde Ohren

Wenn der Platzbedarf kein Thema ist, wäre die naheliegende Kopfbedeckung zu meinem Geheimagenten-Mantel ja eigentlich ein klassischer Hut. Aber der bedeckt gerade das nicht, worauf es mir primär ankommt, nämlich die Ohren. Meine unempfindliche Schädeldecke und ich haben uns schon immer gewundert, warum sich viele Männer an kalten Tagen irgendetwas aufsetzen, was nichts außer der Kopfschwarte bedeckt. Das ist für mich ähnlich sinnvoll wie ein Regenschirm, der nur meine Schuhe trocken hält.

Um Wärme und Stil miteinander zu vereinbaren, habe ich darüber nachgedacht, Ohrenschützer und Hut gemeinsam zu tragen, aber damit bekäme ich das Schlechteste aus beiden Welten: unbequemen oder schlecht haltenden Ohrenschutz und riesigen Platzbedarf. Am besten würde es wohl noch funktionieren, einen – um einen Nummer größeren – Hut über einer Mütze zu tragen, aber dann wäre der Hut nur noch eine unnötige Zierde, weil die Mütze ohnehin den gleichen Bereich abdeckt.

Es gibt allerdings eine exotische Sonderform: Hüte mit Ohrenklappen. Im Gegensatz zur Uschanka werden diese Klappen bei Nichtnutzung nicht außen nach oben gebunden, sondern nach innen geklappt, womit ein solcher Hut wie jeder andere aussieht.

Ich mit schwarzem Hut. Links ohne Ohrenklappen, rechts mit Ohrenklappen.
Dank Ohrenklappen klappt das Huttragen auch im Winter.

Obwohl das nützlicher klingt als ein reiner Schädeldecken-Winterhut, dürfte die Nachfrage beschränkt sein. Es gibt nämlich nur sehr wenige Hutmodelle mit solchen Klappen. Passend zu meinem grauen Mantel hätte ich gerne einen grauen Hut gehabt, musste aber auf einen schwarzen ausweichen. Vielleicht ist das im Endeffekt aber auch besser so, sonst würde mich nach einem Eierkopf und einem Obdachlosen jetzt Inspektor Gadget aus dem Spiegel anlachen.

Als Alternative habe ich mir außerdem eine Schiebermütze mit ähnlichen Ohrenklappen gekauft. Solche Kappen sind stilistisch ähnlich altmodisch wie Hüte und Trenchcoats, bringen aber weniger Risiko mit sich, dass ich mit dem Hauptdarsteller aus einem Agenten-Thriller verwechselt werde.

Ich mit schwarzer Schiebermütze. Links ohne Ohrenklappen, rechts mit Ohrenklappen.
Eine Kopfbedeckung, die ich in vergleichbarer Form zuletzt bei meinen Großeltern gesehen habe.

Ergebnis meines Praxis-Tests: Der tatsächliche Kälteschutz lässt bei beiden Kopfbedeckungen zu wünschen übrig. Bei der Schiebermütze stehen die Ohrenklappen unten etwas ab; dadurch halten sie nicht sonderlich gut warm, sondern taugen vorwiegend als Windschutz. Die Klappen am Hut sind dagegen schalenförmig und decken die Ohren besser ab, aber auch sie liegen nicht zu eng an und sind obendrein relativ dünn; sie erfüllen in der Regel ihren Zweck, aber falls der Winter doch einmal sibirisch wird, sollte ich lieber zu etwas Anderem greifen.

Den Ohrenschutz nach innen zu klappen, hat natürlich auch seinen Preis: Es ändert die Passform der Kopfbedeckung. Beim Hut ist die angenehmere Tragvariante glücklicherweise jene mit Ohrenschutz – dazu hatte ich ihn ja gekauft. Bei der Schiebermütze ist es leider umgekehrt – während die Ohrenklappen nach unten hin von den Ohren abstehen, drücken sie oben unbequem dagegen.

Mehr als nur Kälteschutz

Etwas unsicher war ich mir als praktisch denkender Mensch bezüglich der Frage, ob Hut und Schiebermütze gegenüber meiner einfachen Stoffmütze auch irgendwelche Vorteile abseits ihrer Optik haben. Krempe oder Schirm sind in der Regel ja prima, um ihren Träger vor praller Sommersonne zu bewahren, aber die gibt es im Winter naturgemäß nicht. Sie könnten vielleicht ein wenig davor schützen, dass einem der Wind ungehindert Schnee ins Gesicht pustet, aber in so eine Gelegenheit bin ich seit der Anschaffung noch nicht geraten.

Ich habe allerdings festgestellt, dass Hut und Schiebermütze doch auch im Winter ein praktischer Sonnenschutz sind – und zwar als Blendschutz, weil die Sonne dauerhaft tief steht. Damit kann ich altmodischer Spießer mich gut darauf ausreden, meinen Winterhut nicht bloß aus Eitelkeit zu tragen.

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