Hobbys und Geldausgeben: ein untrennbares Duo?

Konsumwahn macht auch vor unseren Freizeitbeschäftigungen keinen Halt. Aber das muss nicht so sein.

Gemälde von Personen, die durch ein Kornfeld gehen.
Ein klassisches Hobby zum Nulltarif: Spazierengehen. Aber auch spannendere Freizeitbeschäftigungen müssen kein Vermögen kosten. (Bildquelle: »Der Sonntagsspaziergang« von Carl Spitzweg, Bild beschnitten)

Probleme löst man, indem man Geld darauf wirft. Je teurer das Auto, desto schneller kann man sich morgens frische Semmeln vom zehn Gehminuten entfernten Bäcker holen. Und übermäßige Vorsicht braucht man dabei auch nicht walten lassen, denn die Versicherung wird schon alles richten – vom umgefahrenen Verkehrsschild bis zum gebrochenen Genick. Dafür bezahlt man sie schließlich.

Für Hobbys gilt das ebenso. Der Sportler definiert sich über sein Jahresabo im Fitness-Center, in dem er einmal pro Quartal vorbeischaut, um einen Protein-Drink zu schlürfen. Und der Musiker ist umso musikalischer, je teurer die Instrumente waren, die in seinem Keller verstauben.

Falls es jemand bis hierher noch bemerkt hat: Ja, das ist Sarkasmus. Aber mit einem wahren Kern, denn viele Leute geben wirklich mehr Geld aus, als nötig wäre. Als Groschenfuchser (das österreichische Äquivalent zum deutschen Pfennigfuchser), der ich bin, will ich deshalb in diesem Artikel aufzeigen, wieso Hobbys gar nicht so teuer sein müssen.

Am Anfang war die Zeit

Zugegeben: Manche Dinge kosten Geld und nicht immer lässt sich daran etwas ändern. Unabhängig davon haben Hobbys aber auch noch andere Kosten, an denen sich prinzipbedingt nie etwas ändern lässt, nämlich zeitliche. Hobbys sind schließlich als Freizeit-Tätigkeiten definiert. Eine Tätigkeit, die keine Zeit beansprucht, wäre wie ein Haus, das keinen Raum einnimmt.

Bevor man darüber sinniert, wie viel Geld man in einem Hobby versenken möchte, sollte man also erst einmal realistisch einschätzen, wie viel Zeit man langfristig investieren kann und will. Und da niemand von uns zum Wahrsagen geboren ist, empfiehlt es sich, dann vorerst einmal möglichst kostenschonend auf die Probe zu stellen, ob man diese erste Einschätzung auch tatsächlich einhalten würde.

Muss es gleich eine Jahreskarte sein, wenn man auch einen Probemonat nutzen kann? Muss man diverses Zeug gleich kaufen, wenn man es testweise auch einmal borgen oder mieten kann? Und muss es gleich Profi-Ausstattung sein, wenn man vom Expertentum ohnehin noch so weit entfernt ist wie ein Schuleinsteiger von der Habilitation?

Als ich vor Jahren damit angefangen hatte, Sport zu betreiben, kostete mich das vorerst keinen einzigen Euro, denn …

  • … ich konnte Eigengewichtübungen wie Liegestütze machen. (Genaugenommen Knie-Liegestütze, denn für echte Liegestütze waren meine dünnen Ärmchen anfangs noch zu schwach.)
  • … ich konnte Alltagsobjekte nutzen. Mein erstes »Hantelset« bestand aus zwei alten Plastikflaschen, die ich mit Wasser gefüllt hatte.

    Zwei mit Wasser gefüllte Plastikflaschen.
    Mein erstes Hantel-Set im Jahr 2008.
  • … ich konnte Umgebungsobjekte nutzen. So versuchte ich mich etwa an einem Fußballtor auf einem nahegelegenen Sportplatz das erste Mal an einem Klimmzug (… und scheiterte erneut kläglich an meinen Nudelarmen).
  • … ich konnte mit einfacher Alltagskleidung, die ich ohnehin daheim hatte, laufen gehen. Mein heutiger Kleidungsstil mit Business-Hemd und Lederschuhen wäre dazu freilich weniger geeignet, aber damals hatte ich zumindest noch aus meiner Jugend ein Fülle lockerer Klamotten im Kleiderschrank.

War diese Ausstattung ideal? Nein. Aber für meine Ansprüche als blutiger Anfänger war sie mehr als ausreichend.

Die einfachen Baumwoll-T-Shirts, die ich anfangs zum Laufen trug, könnte ich heute nicht mehr verwenden, weil sie ruckzuck mit Schweiß vollgesaugt wären. Aber damals ging mir beim Laufen noch so schnell die Puste aus, dass ich ohnehin schon keuchend am Boden lag, bevor ich überhaupt erst so richtig ins Schwitzen kam.

In bessere Ausstattung hatte ich erst investiert, als es notwendig wurde – beziehungsweise erst, nachdem ich über Monate hinweg unter Beweis gestellt hatte, dass ich mir auch wirklich die Zeit zum regelmäßigen Training nehme.

Ich in Jogging-Anzug und mit Frost im Bart.
Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren … und geht damit im Winter laufen, bis ihm der Atem im Bart gefriert. Aber bevor man sich extra dafür einen Jogginganzug kauft, sollte man mit seinem letzten bisschen Selbstkontrolle erst einmal sicherstellen, dass man überhaupt einen braucht.

Am Ball zu bleiben, war alles Andere als selbstverständlich. Die anfängliche Einsicht, wie grauenhaft schlecht ich in dem, was ich da tat, war, wäre für manch anderen sicher schon Grund genug gewesen, um nach wenigen Tagen resigniert das Handtuch zu werfen.

Auch wenn man es über die erste Hürde schafft, ist langfristiges Durchhaltevermögen damit noch nicht in Stein gemeißelt. Schließlich ist jedes neu aufgenommene Hobby anfangs allein durch seine Neuheit noch aufregend und erste Fortschritte wirken gigantisch, wenn man bei Null beginnt. Das kann in frühen Phasen motivieren, bleibt aber nicht für immer so.

Irgendwann wird die aufregende Neuheit zum Alltag. Und Fortschritte stagnieren früher oder später, wenn man sich nicht immerzu bewusst mehr fordert – und dazu immer mehr Zeit investiert. Mein erster Zwei-Kilometer-Lauf ohne Seitenstechen und Kreislaufbeschwerden war eine Offenbarung; dagegen sind meine heutigen Laufeinheiten, in denen ich mich schon seit Jahren nicht mehr gesteigert habe, nicht viel aufregender als das tägliche Zähneputzen.

Ich würde deshalb anraten, zumindest einen ersten kleinen Knick in der Motivationskurve abzuwarten, bevor man zu tief in die Geldbörse greift. Das ist ein gutes Zeichen, dass der überschwängliche Anfangs-Optimismus allmählich einem gesunden Realismus weicht.

Dass mir persönlich meine sportliche Ertüchtigung nun schon über viele Jahre erhalten geblieben ist, geht zu einem wesentlichen Teil auch auf das natürliche Grundbedürfnis zurück, fit und gesund zu sein. Gerade als Stubenhocker im dauerhaften Home-Office brauche ich etwas Bewegung zum Ausgleich – sonst wäre ich mit meinen 40 Lenzen wahrscheinlich schon sehr bald auf dem gesundheitlichen Stand eines 80-Jährigen.

Hobbys mit verschwindend geringem praktischem Nutzen haben es da wesentlich schwerer, sich bei mir durchzusetzen – vom mittlerweile nur noch einwöchentlichen Klavierspielen bis zum nach wenigen Tagen komplett verworfenen Esperanto-Lernen.

Wer billig kauft, kauft zweimal?

Im Gegensatz zum Sporteln war mein Klavierspielen nicht ohne weiteres mit kostenlosen Hausmitteln umzusetzen. Zwar kann man eine Klaviatur dank Software auf einer Computer-Tastatur oder einem Touchscreen simulieren, aber das ist vom Original so weit entfernt wie die Rennspiel-Reihe »Need for Speed« vom echten Autofahren. Auf der Computer-Tastatur stimmt weder die Form noch die Anordnung der Tasten und auf dem Smartphone oder Tablet fehlen sowohl die Haptik als auch der nötige Platz für mehr als eine Hand.

Screenshot von virtuellem Klavier. Die weißen Tasten sind beschriftet mit 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 0, q, w, e, r, t, y, …. Die schwarzen Tasten sind jeweils mit dem Shift-Symbol (Pfeil hoch) + dem Wert der weißen Taste links davon beschriftet.
Dieses virtuelle Klavier im Browser ist sicher toll, um ein wenig herumzuprobieren, aber es mit der Computer-Tastatur zu bedienen, macht einen garantiert nicht zum Pianisten. Dass ein englisches Tastatur-Layout mit vertauschtem Y und Z vorausgesetzt wird, ist da nur der Gipfel des Eisbergs.

Aus diesem Grund hatte ich mir erst einmal ein möglichst billiges Gerät gekauft, das mir zumindest eine ordentliche Breite an haptischen Vollformat-Tasten zur Verfügung stellt. Kostenpunkt seinerzeit: rund 110 Euro. Auf dem Gebrauchtmarkt hätte ich etwas Vergleichbares sicher nochmals um ein Eckhaus billiger bekommen.

Drei Jahre später hatte ich mir dann aber ein besseres Gerät für rund 260 Euro geleistet, weil mein Billig-Einstieg doch arg eingeschränkt war – ganz ohne Anschlagdynamik und ohne Anschlussmöglichkeit für ein Pedal. War meine Erstanschaffung also ein Fehlkauf? Hätte ich von vornherein in etwas Höherwertiges investieren sollen?

Zwei Keyboards.
Mein erstes (oben) und mein zweites (unten) Keyboard.

Ich würde sagen: Nein, meine Entscheidung war schon richtig. Denn auch wenn ich letztendlich zweimal Geld ausgegeben habe, hätte ich anfangs definitiv kein Gift darauf genommen, dass sich mein Interesse überhaupt für drei Jahre halten wird.

In diesem Zeitraum hatte das Billigst-Gerät seinen Zweck voll erfüllt. Ich konnte damit ein wenig Notenlesen sowie Handkoordination üben. Die erweiterten Funktionen meines heutigen Keyboards wären damals bloß sprichwörtliche Perlen vor der Sau gewesen. Ich war schon glücklich, überhaupt die richtigen Tasten zu finden und zu treffen. Auch noch auf die Stärke des Tastenanschlags zu achten und einen Fuß mit beiden Händen zu koordinieren, hätte mich komplett überfordert.

Daneben hat mir meine Billig-Einführung eine realistische Vorstellung davon vermittelt, was ich wirklich brauche. Der Meinung von Experten zufolge wäre viel zu oft ja nur das Beste gut genug. Hätte ich mich als Voll-Laie auf eine solche Empfehlung verlassen, hätte ich in Summe wahrscheinlich noch mehr gezahlt – für ein Profi-Gerät, dem ich mit meinem stümperhaften Hobby-Geklimper ohnehin niemals gerecht werde.

Und genauso, wie man sich auf dem Gebrauchtmarkt um einen billigen Einstieg umschauen kann, kann man als Fortgeschrittener letztendlich auch einen Weiterverkauf andenken, um die Kosten-Nutzen-Rechnung noch weiter zu optimieren. Mein mittlerweile obsoletes Erstgerät, das jetzt nur noch unnütz Platz im Keller verbraucht, könnte ich ohne Bedenken weiterverkaufen und mir damit einen Teil der ursprünglichen Ausgaben zurückholen.

eBay-Suche nach verkauften Keyboards vom Typ »yamaha psr-f51«. Drei Suchergebnisse zeigen die Verkaufspreise: EUR 65,00, EUR 60,72 und EUR 55,00.
Auf eBay könnte ich mir für mein Einstiegsgerät offenbar rund die Hälfte des ursprünglichen Kaufpreises zurückholen.

In die Gegenrichtung wäre das ungleich schwieriger. Würde ich ein zu hochwertiges Gerät verkaufen wollen, um mir stattdessen etwas Billigeres ins Wohnzimmer zu stellen? Abgesehen von der psychologischen Hemmschwelle gegenüber einer solchen Abwertung stellt sich auch die Frage, wie viel das Gerät mittlerweile an Wert verloren hat und was das billigere kosten soll. Falls man ein 600-Euro-Keyboard nur noch um die Hälfte veräußern könnte und eigentlich nur ein 300-Euro-Keyboard bräuchte, bleibt man komplett auf den Premium-Kosten sitzen. So etwas würde mich als knausrigen Klimper-Stümper lange in meinen Nächten heimsuchen.

Ich bin ein Stümper und das ist gut so

An dieser Stelle will ich auch betonen: Bei Hobbys ist es vollkommen in Ordnung, ein Stümper zu sein! Schließlich übt man diese typischerweise zu seinem eigenen Vergnügen aus und muss niemandem irgendetwas beweisen.

Wenn ich online Tipps zum Klavierspielen konsumiere, heißt es zu manchen Praktiken ganz gerne: »Ja, aber wenn du dann bei einem Auftritt ….« Da denke ich mir jedes Mal: »Meine Güte! Warum wird es als Selbstverständlichkeit betrachtet, dass jeder Klaviertastendrücker irgendwo auftreten möchte?«

Ich verbringe den größten Teil meines Tages vor einer PC-Tastatur und hatte einige Zeit lang bei monotonen Aufgaben wiederholt das Bedürfnis, ein wenig Rhythmus in mein sonst relativ geistloses Tastenklopfen zu bringen. Das war der Auslöser, warum ich mir ein Tasteninstrument zugelegt habe. Höhere Ziele, als allein in meiner eigenen Wohnung ein bisschen herumzuklimpern habe ich gar nicht – den Nachbarn zuliebe sogar mit Kopfhörern.

Genauso war es beim Sporteln nie mein Ziel, mich mit irgendjemandem zu messen. Einer der schönsten Aspekte an meinen Hobby-Läufen ist es, ein wenig ins Grüne zu kommen und dabei stellenweise die ganze Umgebung quasi für mich allein zu haben. Dazu muss ich nicht schnell sein.

An Marathon- oder anderen Wettläufen schrecken mich daher schon allein die Menschenmassen ab. Bei meinem Tempo bekäme ich dort statt Natur nur eine Wand aus fremden Hintern zu Gesicht.

Links: Straße, die mit hunderten Läufern gefüllt ist. Rechts: menschenfreier Weg an einem schmalen Bach.
Das professionelle Wettlaufen (links) überlasse ich gerne anderen. Mein Laien-Lauf (rechts) bringt mir zwar keine Medaille, aber eine schönere Aussicht. (Bildquelle links: München Marathon 2005, Thomas Netsch, Public Domain)

Experten im Beschaffen teurer Werkzeuge

Natürlich muss man nicht zwingend auf Stümper-Niveau herumdümpeln oder sich selbst als Stümper bezeichnen. Aber in jedem Fall sollte man sich vor Augen halten, dass es die Fähigkeiten sind, die den Experten ausmachen, nicht die Werkzeuge. Oder wie es im Englischen heißt: »A fool with a tool is still a fool.« (»Ein Depp mit einem Werkzeug ist immer noch ein Depp.«)

Auch wenn das nach einer Binsenweisheit klingt, der wahrscheinlich kaum jemand widersprechen würde, ist der gedankliche Fehlsprung von »ich hätte gerne professionelle Ausstattung« zu »ich habe die Ausstattung, also bin ich professionell« ein relativ kleiner.

Selbst wenn man sich dadurch allein nicht gleich an der absoluten Spitze wähnt, reicht es oft schon, um pauschal von oben auf jeden herabzublicken, der etwas Billigeres verwendet. Das kostenpflichtige Bildbearbeitungsprogramm Adobe Photoshop ist da ein Paradebeispiel. Das gilt als Gold-Standard im Grafikbereich und so mancher Nutzer macht daher schnell mal abwertende Bemerkungen oder Gesten gegenüber Leuten, die so wie ich die kostenlose Alternative Gimp verwenden.

Screenshot der Bildbearbeitung Gimp.
Das kostenlose Bildbearbeitungsprogramm Gimp kommt auch zum Einsatz, um die Bilder für diesen Artikel hier vorzubereiten.

Ja: Ich weiß als Grafik-Amateur grob, dass Gimp zumindest lange Zeit Funktionen fehlten, die für professionelle Grafiker unentbehrlich sind – insbesondere in der Farbverwaltung, um eine korrekte Farbwiedergabe bei Drucksorten sicherzustellen. Aber das war für mich nie von Bedeutung … und für so manch abgehobenen Photoshop-Fetischisten offenbar auch nicht, denn das eine oder andere augenkrebserregende Machwerk solch selbsternannter Experten hätte durch verfälschte Farben nur noch besser werden können.

Um die Jahrtausendwende herum war fast jeder 13-jährige »Webdesigner« ein solcher »Profi«, der nur die besten und teuersten Software-Pakete verwendete, um zu zweigen, wie toll er ist. Dass er sich diese Lizenzen in der Regel gar nicht leisten konnte, weil er in Wahrheit eben alles Andere als ein Profi war, und deshalb oft auf sogenannte Raubkopien setzte, bildete da bloß noch das ironische Tüpfelchen auf dem i.

Die konkret zur Schau gestellte Photoshop-Expertise beinhaltete bei solchen Leuten oft nicht viel mehr, als Hintergrundbilder oder kurze Textschnipsel mit ein paar vorgefertigten Effekten von der Stange aufzuhübschen.

Der Text »Willkommen auf meiner Homepage!« auf einem gemusterten Untergrund mit mehreren bunt zusammengewürfelten Spezialeffekten.
Künstlerische Neuinterpretation des Nullerjahre-Möchtegern-Webdesign-Stils aus ziellos zusammengewürfelten Grafikeffekten, die sich mit wenigen Klicks generieren lassen.

Ein wirklicher Grafik-Experte, der YouTube-Nutzer Picster, zeigte im Gegenzug anno 2007 im Zeitraffer, wie er mit dem damals noch absurd primitivem Microsoft Paint ein nahezu fotorealistisches Auto malt. Das ist wohl eine Sisyphus-Arbeit, die nicht unbedingt zum Nachahmen empfohlen ist, veranschaulicht aber sehr schön, was echte Profis auch mit einfachsten Werkzeugen auf die Reihe bekommen.

Natürlich gilt das alles für physische Gerätschaften genauso wie für Software. Ich habe da insbesondere ein Interview mit einem erfolgreichen Fotografen in Erinnerung, der frustriert war, weil er immer nur nach seiner Kamera gefragt wird, aber nie nach seiner Herangehensweise, um tatsächlich gute Fotos zu schießen.

Die Technik wird’s schon richten

Im Zusammenspiel mit komplexer Technik scheint Selbstüberschätzung besonders präsent zu sein. Da liegt man wohl gerne dem Irrglauben auf, dass ein ausreichend teures Gerät ohnehin alles Wesentliche von allein macht und man nur ein oder zwei Knöpfchen drücken muss, um mit den sogenannten Experten gleichzuziehen.

Was ich eingestehen muss, ist, dass gewisse technische Entwicklungen durchaus Erleichterungen gebracht und damit die Kluft zwischen Laien und Experten verkleinert haben.

Meine allererste, noch analoge, Kompakt-Kamera konnte praktisch nichts. Die hatte eine Auswahlmöglichkeit zwischen Nah- und Fern-Aufnahmen, einen einschaltbaren Blitz und einen Auslöser. Dementsprechend dilettantenhaft sahen auch die geschossenen Bilder aus. Heute macht jedes Ramsch-Smartphone um Welten bessere Fotos, weil es automatisch Parameter optimiert, von denen die meisten Leute nicht einmal wissen, dass sie existieren.

Unscharfes Foto mit Bildstörungen von einem Gebäude, vor dem schemenhaft zwei Kinder erkennbar sind.
Ein Kindheitsfoto aus meiner ersten Kamera. Heute braucht man digitale Filter, um einen vergleichbaren Retro-Gruselfaktor zu erreichen.

Was sich dadurch allerdings auch geändert hat, ist das sichtbarste Merkmal, das den Laien vom Experten unterscheidet. Auch wenn Profi-Ausstattung sicher nach wie vor ihre Vorzüge hat, machen sogenannte Softskills wie Hintergrundwissen, Übung und Erfahrung heute in der Relation einen wesentlich größeren Anteil des Unterschieds aus.

Ich selbst habe erst unlängst überlegt, wie ich die Qualität meiner Fotos verbessern kann, und bin zu dem Schluss gekommen, dass mir ein Scheinwerfer-Set um 60 Euro mehr bringt als eine Spiegelreflex-Kamera um 600 Euro. Schlechte Lichtverhältnisse sind auf meinen Fotos üblicherweise das größte Problem, eine zusätzliche Lichtquelle hat sich schon in meinen Videokonferenzen bewährt und meine digitale Kompakt-Kamera betreibe ich bis dato ausschließlich im Automatik-Modus, sodass ich bisher noch nicht einmal dieses Potenzial voll auskoste. Bis ich eine sündteure Kamera brauche, habe ich also noch sehr viel zu lernen.

Kostengünstig = für Einsteiger?

Dass Leute sich trotz allem oft Dinge aufschwatzen lassen, die ihre Anforderungen maßlos übersteigen, liegt sicher auch an Marketing und Medien. Insbesondere im Bereich von Smartphones fällt mir hier immer wieder negativ ins Auge, dass »kostengünstig« mit »für Einsteiger« gleichgesetzt wird.

Eine Websuche nach »Einsteiger-Smartphones« liefert Ergebnisse von testberichte.de, chip.de und mediamarkt.de.
Ein offenbar beliebter Begriff, der mich immer wieder irritiert: »Einsteiger-Smartphone«.

Wer ist denn heute wirklich noch ein Smartphone-Einsteiger, wo doch selbst die meisten Zehnjährigen schon mit so einem Hosentaschenkino herumlaufen? Und wie lange bleibt man Einsteiger? Die Benennung suggeriert im Endeffekt doch bloß, dass man sich möglichst bald etwas Teureres kaufen muss.

Interessanterweise kann ich mich nicht erinnern, jemals von einem Fortgeschrittenen-, Profi- oder Experten-Smartphone gelesen zu haben, was ja eigentlich das logische Gegenstück sein müsste. Aber diese Begriffe machen nur noch deutlicher, wie absurd diese Klassifizierung ist. Ein Smartphone ist primär ein Konsumgerät. Seit wann gibt es beim Konsumieren Einsteiger und Experten? Es gibt ja auch keine Profi-Fernsehgeräte für fortgeschrittene Bares-für-Rares-Zuschauer.

Klar ist ein Smartphone nicht ausschließlich zum Konsum da. Man kann damit auch professionelle Tätigkeiten ausüben, die zum Beispiel der geschäftlichen Kommunikation dienen. Aber die meisten dieser wirklich nützlichen Funktionen laufen auf einem 100-Euro-Schnäppchen-Phone auch nicht schlechter als auf einem 1.000-Euro-Flaggschiff.

Ein Ding, sie zu einen

Der Fortschritt hat nicht bloß leistbare Technologie näher an die Funktionalität mancher Profi-Ausstattung herangeführt, sondern ermöglicht es uns heute auch, über nur wenige Multifunktions-Geräte eine ganze Reihe von Hobbys aufzugreifen, für die man früher separate Anschaffungen tätigen musste.

Ein Smartphone ist Telefon, Fotoapparat, Videokamera, Diktiergerät, Landkarte, Kompass, Radio, Fernseher, Spielkonsole und mehr in einem. Damit lässt sich schon unheimlich viel anfangen, ohne auch nur einen einzigen zusätzlichen Euro investieren zu müssen.

Noch viel lieber ist mir persönlich aber der PC, ein Gerät, das ich ohnehin auch zum Arbeiten und Studieren brauche und das im Gegensatz zum konsumoptimierten Smartphone ideal zum Konstruktiv- und Produktivsein ausgestattet ist. Schöpferische Tätigkeiten, die ich damit im Lauf der Jahre schon ohne Zusatzkosten ausprobiert hatte, umfassen:

  • Schreiben
    (über Gedichte und Roman-Entwürfe bis zu diesem Blog hier)
  • Webentwicklung
    (ja, auch diesen Blog hier habe ich selbst entwickelt)
  • Programmieren inklusive Spiele-Entwicklung
  • Bildbearbeitung und Fotomontagen
    (auch laufend für diesen Blog hier, weil die Qualität meiner unbearbeiteten Fotos meist zu wünschen übrig lässt)
  • Digitales Zeichnen
  • Filmschnitt
  • Animation
  • Musikkomposition
Screenshot von einem Computerspiel mit gekacheltem Spielfeld, auf dem Schlüssel, Puzzleteile und andere Objekte verteilt sind.
Screenshot aus meinem am weitesten fortgeschrittenen, aber doch nie fertiggestelltem Computerspiel. (Nach mittlerweile mehr als 20 Jahren Entwicklungspause wird sich an diesem Status vermutlich auch nichts mehr ändern.)

Die meisten dieser Dinge haben – insbesondere solange man auf Amateur-Niveau bleibt – nicht einmal sonderlich hohe Hardware-Anforderungen. Sollte man noch keinen PC haben, reicht also schon ein Laptop für unter 200 Euro, notfalls auch ein gebrauchter, damit einem eine riesige Bandbreite an kreativen Hobbys offensteht.

Wem das Schöpferische weniger liegt, der kann mit so einem Gerät natürlich auch einfach Videospiele spielen statt sie zu entwickeln. Von Sudoku bis zum 3D-Action-Epos ist da selbst im kostenlosen Bereich für jeden etwas dabei, wenn man nur ein wenig sucht.

Aufbau-Strategie-Spiel mit 3D-Grafik.
Das kostenlose Aufbau-Strategie-Spiel 0 A.D. ist grafisch deutlich opulenter als sein Name.

Dehnt man den Begriff »Hobby« so weit, dass man nicht nur aktive Tätigkeiten, sondern auch Konsum darunter versteht, findet man auch hier dank Internet nicht enden wollende, kostenlose Möglichkeiten – und das nicht nur unter schwarzer Flagge.

Allein auf YouTube findet man neben der typischen Influencer-Quacksalberei und zehnstündigen Katzen-Memes in Dauerschleife auch andere Videos und Musik für jeden Geschmack, wenn man nur danach sucht. Wie wäre es etwa mit dem Wissenschaftskanal Veritasium? Der sollte auch anspruchsvollste Gemüter zufriedenstellen können … vermute ich zumindest mal, weil ich dort manchmal schon nach wenigen Minuten überfordert bin – insbesondere dann, wenn Mathematik ins Spiel kommt.

Auch öffentlich-rechtliche Sender haben ein großes Angebot im Web, für das den meisten von uns ohnehin laufend Geld aus der Tasche gezogen wird. Da kann man zumindest einmal vorbeischauen, was diese Wegelagerer einem dafür zu bieten haben.

Eine weitere kostenlose Medien-Quelle – ohne Zwangsfinanzierung – ist vor allem für Büchernarren interessant: Das Urheberrecht verfällt üblicherweise einige Jahrzehnte nach dem Tod des Schöpfers und viele literarische Klassiker sind deshalb mittlerweile ganz legal frei verfügbar. Project Gutenberg bietet so zum Beispiel rund 75.000 Bücher in unterschiedlichen Sprachen und Formaten zum Download an, darunter Werke von Goethe, Thomas Mann und Franz Kafka.

Prosa-Text mit der Überschrift »Vierundzwanzigstes Capitel. Das Korallenreich.« auf einem Smartphone.
Derzeit lese ich auf meinem Smartphone »Zwanzigtausend Meilen unter’m Meer« von Jules Verne. (Dass bei so alten Texten die eine oder andere Schreibweise nicht mehr ganz den aktuellsten Stand der Rechtschreibung widerspiegelt, ist ein anderes Capitel.)

Grundsätzlich gilt diese Verjährung auch für alle anderen urheberrechtlich geschützten Werke. Aber weil die Wartedauer so lange ist, sind es etwa bei Filmen bisher vorwiegend solche aus der Stummfilm-Ära, die mittlerweile frei sind – zum Beispiel »Nosferatu«, den man sich heutzutage auf Wikipedia ansehen kann. Wer auf aktuelle Blockbuster wartet, muss sich dagegen voraussichtlich noch um die hundert Jahre lang gedulden.

Hobbys mit positiver Kosten-Bilanz

Fokussieren wir uns auf Hobbys im engeren Sinn – also solche, die nicht bloß aus Konsum, sondern aus aktiven Tätigkeiten bestehen –, dann ergibt sich unter besonders glücklichen Umständen sogar die Möglichkeit, Geld damit einzunehmen, sodass sie sich selbst finanzieren oder sogar Profit abwerfen.

Dieser Blog hier, WIESOSO, ist zum Beispiel ein reines Hobby-Projekt, das in den letzten Jahren aber immerhin seine notwendigen finanziellen Ausgaben selbst decken konnte, indem ich über die Verwertungsgesellschaft Literar Mechana die sogenannte Reprographievergütung in Anspruch genommen habe – eine Urheber-Vergütung, die durch Zwangsabgaben auf Drucker, Kopierer und ähnliche Geräte finanziert wird, weil man damit ja urheberrechtlich geschütztes Material vervielfältigen könnte.

Von solchen Verwertungsgesellschaften und ihren Methoden kann man natürlich halten, was immer man will. Ich bin da selbst skeptisch, sehe das aber ähnlich wie bei den Rundfunkgebühren: Wenn das Angebot schon da ist, kann man es auch nutzen. Solange Verwertungsgesellschaften ohnehin Geld einsammeln – auch von mir –, ohne, dass ich etwas dagegen tun könnte, sehe ich es nicht als übermäßig verwerflich an, mir mein Stück vom Kuchen abzuholen.

Daneben denke ich zugegeben auch immer wieder über andere Möglichkeiten nach, um WIESOSO irgendwie zu monetarisieren. Meine konkreteste Überlegung besteht derzeit darin, bestehende Artikel aus ähnlichen Themenbereichen zu Sachbüchern zusammenzufassen und diese zu vermarkten. Bei solchen Bemühungen könnte die Grenze zwischen Hobby und Beruf dann aber allmählich verschwimmen.

Definitiv frei von beruflichen Ambitionen ist ein anderes geldwertes Hobby von mir, nämlich Kochen. Damit verdiene ich zwar keinen einzigen Cent, spare aber reichlich an Ausgaben.

Denn obwohl Fertiggerichte auf den ersten Blick oft günstig wirken, kehrt sich dieses Bild rasch um, wenn man sich mal die Zutaten ansieht und nachrechnet, was diese einzeln kosten. Ein mageres Schälchen fertiger Salzkartoffeln mit Cremespinat kam mir vor einigen Jahren einmal gut und günstig vor, bis mir bewusst wurde, dass ich zum gleichen Preis und nur unwesentlich mehr Aufwand rund 1,5 kg von dem Zeug haben kann.

Kartoffeln und tiefgekühlter Cremespinat.
Kartoffeln sind schnell gekocht und tiefgekühlten Cremespinat muss man auch nur aufwärmen. Um das als Fertiggericht in einer dürftig gefüllten Mikrowellenschale zu kaufen, muss man schon enorm große Zeitnot oder enorm großes Untalent zum Kochen haben.

Im Gegensatz zu Geldverdien-Tätigkeiten muss man in reinen Geldspar-Hobbys auch nicht so versiert sein, um die Leistung irgendjemandem verkaufen zu können. Es reicht, wenn man seinen hausgemachten Fraß selbst hinunter bekommt.

Hobbys und Konsum

Klar ist, dass Knausern bei manchen Hobbys besser funktioniert als bei anderen. Ich kenne etwa jemanden, der hobbymäßig ein Flugzeug fliegt; wenn man sich genauso wie ich beim Klavierspielen nicht mit einer bloßen Simulation zufrieden geben will, wird man da mit meinen rund 100 Euro Klavierbudget nicht vom Boden abheben.

Aber ich würde behaupten, dass solche Hobbys eher die Ausnahme sind, die man sich eben leisten können muss. Nicht jeder Teilzeit-Hotdog-Verkäufer muss Hobbypilot werden. Es gibt ausreichend Alternativen für jedes Budget.

Auch ist es empfehlenswert, Hobby und Konsum klar voneinander zu trennen. Wenn man das Gefühl hat, dass Hobbys teuer sind, könnte es daran liegen, dass man abseits vom Geldausgeben – also reinem Konsum – gar keine Tätigkeit ausübt. Ein Beispiel wäre das Hobby »Reisen«, wenn dieses dann nur darin besteht, sich passiv irgendwo hin kutschieren zu lassen, wo man dann am Strand liegt und sich bedienen lässt. Das ist kein Hobby, sondern exzessives Nichtstun.

Am offensichtlichsten ist so ein Pseudo-Hobby natürlich dann, wenn man von vornherein »Shoppen« als sein Hobby betrachtet. Aber auch, wenn man den Keller voll ungenutzter Sport- oder Musikinstrumente hat, ist das ein starkes Indiz dafür, dass man mehr Erfüllung im Einkaufen als in einem tatsächlichen Hobby sucht.

Letztendlich bleibt die Entscheidung natürlich jedem selbst überlassen und wer gern Geld für Dinge ausgibt, die er dann doch nicht nutzt, soll gerne seine Freude daran haben. Ich beschwere mich definitiv nicht darüber – schließlich bin ich nach meinem kostenlosen Wasserflaschen-Hantel-Einstieg ins Sporteln dank eines weniger sportlichen Verwandten auch noch kostenlos an dessen neuwertige Hantelbank gekommen.

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