Laserdrucker, Leserdrucker

Das papierlose Büro kommt! Und das schon seit mindestens 50 Jahren. Seit verstärkt aus der Ferne zusammengearbeitet wird, gerät das Herumschieben von Zetteln nun immerhin verstärkt ins Hintertreffen, aber so ganz ausgestorben ist es nach wie vor nicht.
Für einige Anwendungsfälle hat Papier auch klare Vorzüge. Wenn ich etwa zur Abwechslung mal nicht nur im Homeoffice herumgammle, sondern für bürokratische Abenteuer an exotische Orte wie dem Nachbarbezirk gerufen werde, habe ich gerne eine Wegbeschreibung dabei, die von keinem Akkustand abhängig ist und die ich auch ohne Entsperr-Ritual alle paar Minuten einsehen kann. Schließlich habe ich das Talent, mich auf einer kerzengeraden Straße zu verlaufen.
Und in dann und wann doch noch stattfindenden Vor-Ort-Meetings kann es auch ganz praktisch sein, sich für maximale Übersicht mit Dokumenten auszubreiten, soweit der Tisch reicht, statt auf ein digitales Bildschirmchen limitiert zu sein.
Selbst im privaten Wohnraum hat bedrucktes Papier hie und da noch seine Vorzüge. So habe ich etwa zum Musizieren ausgedruckte Notenblätter, zum Krafttraining einen ausgedruckten Trainingsplan auf einer großen Magnettafel und wo immer ich zwecks besserer Übersicht etwas beschriften muss oder will, liefert mein Drucker Text, der im Gegensatz zu meiner Handschrift sogar lesbar ist.

Meine ersten privaten Ausdrucke lieferte um die Jahrtausendwende herum ein Tintenstrahldrucker. Das Nachfolge-Gerät fiel in dieselbe Kategorie. Zugegeben war das keine bewusste Entscheidung von meiner Seite – ich hatte beide geschenkt bekommen –, aber die Tintenstrahl-Technik schien mir für den Privatgebrauch damals der unhinterfragte De-facto-Standard zu sein. Mit Tinte hatten wir schließlich schon in der Schule geschrieben.
Laserdrucker waren mir dagegen erst später im Arbeitsleben begegnet und hatten daher den Ruf als Arbeitsmaschinen fürs Büro. Ganz zu schweigen davon, dass »Laser« nach so einer abgehobenen Technologie klingt, als wäre das nur etwas für die Industrie und für Science-Fiction-Schießereien.
Erst nachdem ich mich näher mit dem Thema befasst hatte, änderte sich mein Eindruck. In diesem Artikel erzähle ich daher, wieso ich heute so einen Laserdrucker auch für Wenig- und Privatnutzer empfehlen würde.
Das bunte Gold
Tintenstrahl-Drucker sind ein Bilderbuchbeispiel für das heimtückische Geschäftsmodell, das da lautet: billig in der Anschaffung, teuer im Unterhalt. Das Gerät selbst wird einem oft regelrecht nachgeworfen, aber sobald man es dann hat, muss man es regelmäßig mit Tintenpatronen zu Apothekerpreisen füttern.
Kurz auf der Website von MediaMarkt nachgeschaut, bekommt man den dort günstigsten Farb-Tintenstrahl-Multifunktionsdrucker schon für 45 Euro, ein Satz Tintenpatronen kostet aber mit 31 Euro nicht viel weniger.

Laserdrucker kommen auf den ersten Blick noch teurer. Hier bekommt man die billigsten Geräte ab 97 Euro – und das sind im Gegensatz zu den Tintenstrahlern nur einfache Schwarz-Weiß-Drucker. Der passende Toner kostet 53 Euro.
Diese Zahlen relativieren sich aber gewaltig, sobald man sie der jeweiligen Druckleistung gegenüberstellt. Der genannte Tintenpatronensatz hat einen Inhalt von gerade mal vier Millilitern, was umgerechnet einem Literpreis von 7.750 Euro entspricht – da wird jeder Sommelier blass. Versprochen wird dafür eine Druckleistung von ungefähr 120 Seiten. Der Toner für den Laserdrucker verspricht dagegen rund 950 Seiten. Heruntergebrochen auf die einzelne Seite entspricht das rund 26 Cent beim Tintenstrahldrucker und rund 6 Cent beim Laserdrucker.
Wenn man – wie in meinen persönlichen Anwendungsfällen – vorwiegend farblose Textdokumente, Beschriftungen, Musiknoten und ähnliches druckt, fährt man mit einem Laserdrucker auf Dauer also deutlich günstiger.
Tintenschlucker mit Ansprüchen
Die konkreten Zahlen im vorigen Abschnitt gehen davon aus, dass man Markenprodukte nutzt. Bei den Druckern selbst hatte ich zwar nicht auf die Marke geachtet, aber da hier jeweils HP bei den billigsten Geräten vertreten war, habe ich der Fairness wegen auch Original-Tinte und -Toner von HP miteinander verglichen. Mit kompatiblen Produkten von Dritten kann man natürlich dem heimtückischen Geschäftsmodell ein Schnippchen schlagen und die Betriebskosten deutlich senken.
Mit billigen Tintenpatronen hatte ich persönlich aber leider keine guten Erfahrungen gemacht. Die gaben mir von Anfang an ein schlechteres Druckbild und waren dann auch noch schneller defekt als die Originale. Im Endeffekt resultierte dieser Sparversuch also nach dem Motto »wer billig kauft, kauft zweimal« in noch höheren Kosten.
Und ja, ich hatte eben geschrieben »noch schneller defekt als die Originale«, denn auch deren avisierte Druckleistung war für mich als Wenignutzer nur selten greifbar. Meine Tintenpatronen waren praktisch immer eingetrocknet oder sonst wie defekt, bevor sie aufgebraucht waren.

Obendrauf kommen noch künstliche Schranken, mit denen es einem Hersteller wie HP immer schwieriger machen, Geräte kostenschonend zu nutzen. Drucker lehnen heutzutage gerne mal von vornherein Patronen ab, wenn diese nicht per integriertem Chip bestätigen, fabriksfrische Originale zu sein. Und sie verweigern auch gerne mal das Drucken, wenn eine Patrone einen niedrigen Füllstand meldet – selbst dann, wenn man die entsprechende Farbe gar nicht bräuchte.
Auf meinem ersten Tintenstrahl-Drucker konnte ich selbst dann noch Textdokumente drucken, wenn ich kein Schwarz mehr hatte. Weil dem Schwarz immer auch etwas Blau beigemischt wurde, war die Schrift dann eben blau. Mein zweiter Drucker verweigerte dagegen selbst dann den Druck von schwarzem Text, wenn bloß die Farbpatrone leer war.
Mein heutiger Laserdrucker schert sich nach wie vor nicht um den Füllstand. Das Druckbild wird gegen das Ende hin einfach immer blasser. Und günstiger Toner von Drittanbietern funktioniert bisher auch tadellos.
Düsen: Reinigung, Peinigung
Erst nach meiner Abkehr von Tintenstrahldruckern wurde ich darauf aufmerksam, dass ich in ihrer Benutzung wahrscheinlich etwas falsch gemacht hatte. Man solle sie nicht ausschalten, habe ich seitdem gelesen. Sie müssen nämlich regelmäßig eine automatische Düsenreinigung durchführen. Wenn man sie das machen lässt, solle es auch keine Probleme mit dem Eintrocknen geben.
Allerdings besteht dieser Reinigungsprozess darin, dass der Drucker sich mit sich selbst vergnügt und einen Teil seiner Vital-Flüssigkeit ungenutzt in einen Schwamm spritzt. Anders ausgedrückt: Die Patronen entleeren sich selbst bei Nichtbenutzung nach und nach, was auch nicht gerade das Gelbe vom Ei ist.
Etwas unklar ist mir außerdem, wann diese Reinigung konkret stattfinden würde. Im Großraum-Büro wäre das vielleicht egal, aber in den eigenen vier Wänden wäre es wenig erfreulich, wenn mich das Reinigunsgedröhne plötzlich aus dem Bett aufschreckt oder während eines wichtigen Telefonats direkt neben mir herumlärmt. Woher soll der Drucker wissen, wann es bei mir passt?
Bestimmt ist es nicht nötig, ihn wirklich dauerhaft eingeschaltet zu lassen; man müsste bloß darauf achten, ihn in regelmäßigen Abständen aufzudrehen, um ihm zumindest eine Chance zum Reinigen zu geben. Aber wenn man ihn zwanzigmal ein- und ausschaltet, um ihn im Endeffekt nur einmal zu benutzen, erinnert das mehr an einen hobbymäßig gepflegten Oldtimer als an ein praktisches Bürogerät.
Zu allem Überdruss kann das Reinigungsprogramm auch zu lästigen Verzögerungen führen, wenn man das Gerät gerade benötigt. Das hat ein gewisser Johann.Engelhardt in einem Kommentar bei Stiftung Warentest sehr anschaulich geschildert:
»[…] Mein Canon Tintenstrahler entnervt mich häufig dadurch, dass er nach dem Einschalten oder bei Druckauftrag minutenlang seine Nase putzt, bevor er bereit ist zu drucken. Paradoxerweise tut er das auch dann, wenn ich nur etwas scannen will und lässt mich warten. […]«
Und selbst wenn dieses Naseputzen komplett vermeidbar wäre, hat Tinte immer noch ein großes Problem für Wenignutzer: Sie hat ein Ablaufdatum. HD-Toner.de schreibt dazu:
»Selbst, wenn man auf das Druckerpatronen richtig lagern Wert legt, sollte die Dauer von einem Jahr nicht überschritten werden, wenn ein Qualitätsverlust sicher ausbleiben soll.«
Nehmen wir das weiter oben erwähnte Druckvolumen von 120 Seiten als Maßstab, das ein Satz Original-HP-Patronen liefern sollte, dann müsste man dementsprechend mindestens zehn Seiten pro Monat drucken, damit ein Tintenstrahldrucker keine Probleme macht.
Laserdrucker: alles im Trockenen
Weil Laserdrucker im Gegensatz zu Tintenstrahlern keine Tinte, sondern trockenen, pulverförmigen Toner verwenden, kann nichts eintrocknen und deshalb gibt es hier all die oben beschriebenen Probleme nicht. Meinen heutigen Drucker kann ich problemlos nach monatelanger Nichtnutzung einschalten und ohne Naseputz-Wartezeit drucken wie am ersten Tag.
Das Gerät selbst, einen einfachen Schwarz-Weiß-Drucker, habe ich vor mittlerweile zwölf Jahren um rund 80 Euro inklusive Versand erstanden. Die ersten vier Jahre bin ich allein mit dem mitgelieferten Toner durchgekommen, danach habe ich von einem Drittanbieter zwei Toner zum Gesamtpreis von 20,30 Euro inklusive Versand gekauft und habe den zweiten bis heute nicht gebraucht.

Mein Laserdrucker macht nicht nur wesentlich weniger Aufwand und Probleme, sondern hat mittlerweile auch länger überlebt als seine beiden Tintenstrahl-Vorgänger zusammen.
Schwarzer Toner, schwarze Lungen?
Ein Kritikpunkt, der allerdings im Zusammenhang mit Laserdruckern aufkommt, ist verschmutzte Atemluft. Allein schon wegen des pulverförmigen Toners ist diese Technologie natürlich dazu prädestiniert, Partikelchen in die Luft zu pusten, die man dann einatmet, und auch gewisse Gase wie Ozon entstehen im Druckprozess. Das kann ich grundsätzlich auch aus persönlicher Beobachtung – oder besser gesagt Beschnüffelung – bestätigen, denn wenn mein Drucker läuft, rieche ich das.
Laut deutscher Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin besteht aber kein Anlass zur Besorgnis, weil der Allgemeine Staubgrenzwert etwa um den Faktor 100 unterschritten wird. Auch eine andere Studie, die ein Worst-Case-Szenario mit besonders hoher Belastung unter Einbezug von Asthmatikern untersucht hat, beurteilt die Situation als »nicht besorgniserregend«. Wenn man als Wenignutzer seinen Drucker ohnehin nur alle paar Monate für wenige Minuten einschaltet, sollte das Risiko also erst recht verschwindend gering sein.
Leserdrucker
Ein weiterer häufiger Kritikpunkt an Laserdruckern ist, dass ihre Wiedergabe von Fotos nicht an die Qualität eines Tintenstrahldruckers herankomme. Das ist ein Argument, über das ich nur aus zweiter Hand berichten kann. Mein derzeitiger Laserdrucker spuckt zwar in der Tat grauenhafte Fotos aus, aber das ist von einem Schwarz-Weiß-Gerät am untersten Ende der Preis-Skala auch nicht anders zu erwarten.
Früher, als mein Hintern noch einen Sessel in einem Büro statt im Homeoffice warm hielt, hatte ich auch Zugriff auf einen Farblaserdrucker. Mit diesem hatte ich unter anderem Schulungsunterlagen mit diversen Fotos ausgedruckt und diese Ausdrucke sind mir nicht als auffallend hässlich in Erinnerung geblieben. Es ist also sicher nicht so, als wären Laserdrucker für Fotos genauso ungeeignet wie ein Geigenbogen zum Trompete-Spielen. Es geht da wohl mehr um den professionellen Feinschliff.
Obendrein scheint es auch nicht so zu sein, als hätten Tintenstrahldrucker generell die bessere Bildqualität, denn Laserdrucker werden im Gegenzug für ihren besonders scharfen Textdruck gelobt. Vielleicht ist es also gerade eine gewisse Unschärfe, die Fotos auf Tintenstrahldruckern besser macht; schließlich könnten Farben dadurch – im wahrsten Sinn des Wortes – flüssiger ineinander übergehen. Gestochen scharfe Kanten zwischen zwei Farbflächen sind in Fotos ja eher untypisch.
Was an Farblaserdruckern auch abschrecken kann, ist ihre Preiskategorie. Das billigste Gerät bei Media Markt kostet 215 Euro, Tonerkartuschen desselben Markenherstellers gibt es ab 65 Euro pro Stück und davon benötigt man vier: einmal schwarz plus drei Primärfarben. Daneben klingt der 45-Euro-Tintenstrahldrucker, der auch noch die schöneren Fotos liefern soll, dann doch nicht ganz so unattraktiv.
Billige Laserdrucker haben obendrein ein weiteres Manko, wenn es um den Druck von Grafiken geht. Im Gegensatz zu Tintenstrahldruckern müssen sie immer die gesamte Seite auf einmal in ihren Speicher laden, um sie drucken zu können. Weil entsprechender Speicher teuer ist, wird in billigen Geräten wie meinem Schwarz-Weiß-Drucker daran gespart – mit dem Ergebnis, dass er mir den Ausdruck so mancher grafiklastiger Datei komplett verweigert.

Letztendlich ist so ein billiger Schwarz-Weiß-Laserdrucker also ideal für Nutzer, die sich statt etwas Schönem fürs Auge nur etwas zum Lesen ausdrucken wollen. Oder anders ausgedrückt: Billige Laserdrucker sind primär Leserdrucker.
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Kommentare
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Bisherige Kommentare
Tony T
Ich drucke relativ viel, hab mir vor vielen Jahren das Ziel gesetzt, meine Druckkosten maximal zu senken und kann nun stolz von meinem aktuellen Multifunktionsgerät (mit Tintenstrahldrucker) berichten: Ich hab mit der Nachbau-XXL-Patrone um 7,33 € inklusive Versand 2.348 Seiten gedruckt, das Papier hab ich mit einer Bierrodel günstigst von willhaben abgeholt (12.500 Seiten um 42,50 €). Meine Gesamtkosten pro Seite exklusive Anschaffung des Geräts (hat vor ca. 8 Jahren um die 130 € gekostet) belaufen sich auf € 0,0065 (0,65 Cent).
Michael Treml (Seitenbetreiber)
Antwort an Tony T:
Wow, das hat sich in diesem Fall ja offenbar voll ausgezahlt!
Wenn es rein um die Verbrauchs-Preise geht, lese ich auch immer wieder, dass spezielle Drucker mit nachfüllbaren Tintentanks sehr gute Dienste erweisen sollen, wobei da aber die Geräte etwas teurer sind. Wenn man nur die Tinte selbst austauscht, hätte ich dort aber erst recht Angst davor, dass mir an den empfindlichen Stellen etwas eintrocknet und damit womöglich das ganze Gerät schrottet.